"Wir wurden von einem dritten Land angegriffen", beschreibt Abotaleb den Eintritt Saudi-Arabiens in den Krieg vor zwei Jahren. "Ich hasse die Saudis." Sie hätten die jemenitische Islah-Partei unterstützt, die immer radikaler wurde. Er spricht vom Islamischen Staat (IS), wenn er die radikalen Sunniten meint, zu denen neben den Salafisten der Islah auch Kämpfer von Al-Kaida gehören.

Im Jemen sind diese Gruppen mittlerweile kaum noch voneinander zu trennen - wie auch in Syrien. Und wie dort hat auch im Jemen die Tragödie ihren Ursprung 2011, im sogenannten Arabischen Frühling, als das revolutionäre Feuer aus Nordafrika auf die arabische Halbinsel bis in den Jemen loderte.

"Wir wollten eine moderne, neue Partei gründen", sagt Mohammed Abotaleb über seine Motivation und die der Mitbegründer. Nach dem Rücktritt des verhassten Präsidenten Saleh Ende November 2011 schien alles möglich. "Die Umma-Partei sollte moderater, freiheitlicher und toleranter sein als die damals existierenden Parteien." Sie sollte für alle zugänglich sein, für Schiiten wie Sunniten. Doch daraus wurde nichts.

Ein Land mit
zwei Regierungen


Schon bald verhärteten sich die Fronten entlang religiöser Linien. Nur wenige Sunniten traten der Umma-Partei bei. Die Islah-Partei erstarkte und verbündete sich mit anderen, extremeren Sunniten. Dass seine Partei eine religiöse Partei sei, lehnt Abotaleb jedoch ab, auch wenn Huthi-Chef Abdul Malik al-Huthi, ein Kleriker, ihr nahesteht.

Mittlerweile gibt es zwei Regierungen im Jemen: die von Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten unterstützte Regierung Hadi. Diese ist in die saudische Hauptstadt Riad geflüchtet und wartet darauf, zurückkehren zu können. Auf der anderen Seite steht die von Huthis unterstützte Regierung in Sanaa, an der mehrere Parteien beteiligt sind - auch Abotalebs Umma-Partei.

"Ja, wir waren naiv", gibt der Mann aus Sanaa schließlich zu. Als die Huthis fast im Sturm Sanaa eroberten und weiter nach Süden vorrückten, glaubten sie, auch die südliche Metropole Aden einnehmen zu können und somit das ganze Land zu kontrollieren. Mit schweren Panzern und gepanzerten Fahrzeugen rasten sie durch das Zentrum der Hafenstadt auf den Präsidentenpalast zu, in dem sich der aus Sanaa geflohene Staatspräsident Hadi aufhielt.

Auch wenn Abotaleb es nicht wahrhaben will, der Sturm auf Aden Ende Juli 2015 war der Auslöser für den Kriegseintritt Saudi-Arabiens. Die Rechnung der Huthis ging nicht auf, Aden konnte nicht eingenommen werden, die Katastrophe für die Zivilbevölkerung im gesamten Land nahm ihren Lauf. "Die Situation ist einfach aussichtslos", sagt ein zerknirschter Mann, der einst so viel Hoffnung in einen Neuanfang seines Landes gesetzt hat. Mohammed Abotaleb weiß, dass "Leid und Elend im Jemen noch lange kein Ende haben."