Medial wird Trump bereits in einen Topf mit Kim Jong-un geworfen.

Die Nordkorea-Krise ist bedrohlich, aber das war sie schon vorher. Denn Kim Jong-un scheint auch nicht ganz dicht zu sein. Aber das hat eine ganz andere Dimension. Denn der bringt einen Kritiker nach den anderen um, selbst seine Verwandten. Er ist ein menschenfeindlicher Diktator. Beide in einem Atemzug zu nennen, ist einfach grob fahrlässig. Diese Differenzierung geht mir im öffentlichen Diskurs einfach ab. Manche bringen bei Trump schon den Hitler-Vergleich. Und da verwischen die Grenzen zwischen wirklich unmoralischem Totalitarismus und einem einfach tölpelhaft agierenden US-Präsidenten. Ich plädiere also für eine Abrüstung der Worte und warne vor dieser Empörungskultur, weil sie zunehmend irrational wird.

Trump sieht sich selber als "Opfer einer Hexenjagd".

Er empfindet es so: Die "New York Times" und die "Washington Post" würden ihn hassen, auch "Der Spiegel" in Deutschland. Aber da ist etwas dran. Es ist verständlich, dass er sich missverstanden fühlt. Er ist auch ein Mensch, und so was geht an ihm nicht spurlos vorbei, auch wenn er zufällig in das höchste Amt der Welt gewählt wurde. Ich werte dies als ein menschliches Aufflackern. Man muss hier die Hysterie rausnehmen.

Was wäre die Folge?

Nur mehr Negatives. Jedes hysterische Aufschreien in einer empörten Gruppendynamik, ohne zu differenzieren, ist gefährlich. Es werden keine Fakten mehr eingeholt, sondern sofort losgeschlagen. Man wirft ihm - wahrscheinlich zu Recht - postfaktische Politik vor, aber seine Kritiker sind oft genauso. Aber auf diese massenhysterischen Phänomene, die momentan zu beobachten sind, muss ich als Psychiater hinweisen. Denn diese nehme ich deutlich wahr.