Dieses Jahr sei es anders in Kerbela, als die Jahre zuvor, meint Khalid, der Direktor des Kulturhauses, bei dem die Gruppe aus Bagdad übernachtet. "Es wird offen Stimmung gegen Saudi Arabien und Amerika gemacht." Zwar seien nationale iranische Fahnen verboten, doch brächten die Leute Banner mit politischen Slogans mit, würden iranische Lieder singen und Hassgesänge auf Saudis und Amerikaner anstimmen.

Die Kampagne von Riad und Washington zur Eindämmung des iranischen Einflusses im Mittleren Osten zeigt Wirkung. Khalid befürchtet, dass sich die Situation weiter zuspitzen wird. Vor zwei Jahren, als bei einem Unglück während des Hadsch in Mekka 700 Menschen in einer Massenpanik ums Leben kamen, darunter über 200 Iraner, machte das Ajatollah-Regime in Teheran Riad dafür verantwortlich. Die Folge: Weniger Iraner pilgerten nach Mekka, dafür mehr nach Kerbela. Der Religionstourismus ist neben dem Verkauf von Öl mittlerweile die zweitwichtigste Deviseneinnahmequelle Iraks geworden.

Schleierpflicht für Frauen


Doch die Folgen bleiben nicht auf die Wirtschaft beschränkt. In Kerbela werden Frauen gezwungen, sich zu verschleiern und die schwarze Abaja zu tragen. Es darf nicht in der Öffentlichkeit geraucht werden, Alkohol ist streng verboten. "Und nun auch noch das", kommentiert Schriftstellerin Talib den für sie verheerenden Einfluss Irans im Irak. Die von Iran unterstützten Parteien Dawa und Fadilah haben ein Gesetz in das irakische Parlament eingebracht, wonach das heiratsfähige Alter von Mädchen auf neun Jahre herabgesetzt wird. Die Begründung: Prophet Mohammed hat eine Neunjährige, Aisha, geheiratet. Das Gesetz wurde mit der Mehrheit der Abgeordneten beider religiös schiitisch geprägter Parteien verabschiedet. "Das ist Iran im Irak", sagt Talib bitter.