Kathmandu. Gut zwei Jahre nach Verabschiedung einer neuen Verfassung mit föderalem System wählt Nepal ab Sonntag ein neues Parlament. In der ersten von zwei Wahlrunden geht zunächst der Norden des Himalaya-Staates an die Urnen. Am 7. Dezember folgen die Wähler im Süden, inklusive der Hauptstadt Kathmandu.

Zur Wahl treten rund 6000 Kandidaten von mehr als 90 Parteien an. Sie konkurrieren um 275 Sitze im Nationalparlament und 550 in den Versammlungen der Bundesstaaten. Gut 15 Millionen Wähler sind registriert.

Enges Rennen zwischen Kongresspartei und Linksbündnis erwartet 

Es wird ein enges Rennen zwischen der sozialdemokratischen Kongresspartei von Ministerpräsident Sher Bahadur Deuba und einem Bündnis der Maoisten mit einer Marxistisch-Leninistischen Partei erwartet. Der 71-jährige Deuba wurde im Juni diesen Jahres vom Parlament bereits zum vierten Mal zum Ministerpräsidenten gewählt. Nepal wurde zuletzt von oft sehr kleinteiligen Koalitionsregierungen geführt, was zu häufigen Personalwechseln führt.

Die Stimmen aller Wahllokale sollen erst nach Abschluss der zweiten Runde ausgezählt werden. Mit Ergebnissen ist frühestens einige Tage später zu rechnen.

Angst vor Gewalt

Wichtige Themen sind Stabilität und Wirtschaftswachstum. Das Land leidet noch immer unter den Folgen eines verheerenden Erdbebens vor zweieinhalb Jahren sowie von Monsun-Überschwemmungen vor wenigen Monaten. Vor der Abstimmung überschattete die Angst vor Gewalt den Wahlkampf: Es gab mehrere Bombenanschläge auf Kandidaten, die jedoch unverletzt blieben.

Im November 2006 war in Nepal ein zehnjähriger Bürgerkrieg mit mehr als 16.000 Toten zu Ende gegangen. Die maoistischen Rebellen tauschten ihr Ziel eines kommunistischen Staates gegen einen Friedensvertrag mit der Regierung ein. Ihre Partei ist seither Teil des parlamentarischen Betriebs. Zwei Jahre später wurde die hinduistische Monarchie abgeschafft.

Lange Übergangszeit

Die Verabschiedung einer neuen Verfassung dauerte allerdings bis September 2015. Sie sichert Frauen und Randgruppen mehr Teilhabe zu. Das südasiatische Land mit rund 28 Millionen Einwohnern wurde zudem in sieben Bundesstaaten geteilt. Eine Trennung zwischen Kirche und Staat wurde eingeführt.