Berlin. (rs/reuters) Dass der deutschen Kanzlerin die Sache ein Anliegen ist, ist kein Geheimnis. Schon das G20-Treffen im Juli sollte nach Wunsch von Angela Merkel ganz im Zeichen einer neuen Partnerschaft mit Afrika stehen. Angesichts der Aufregung über den ersten Auftritt von US-Präsident Donald Trump in diesem Rahmen und der massiven Ausschreitungen in Hamburg war vom ursprünglichen Gipfelthema aber nicht viel übrig geblieben.

Knapp vier Monate später bekommt Merkel nun eine neue Chance, das Thema Afrika auf der politischen Agenda wieder ganz nach oben zu setzen. Denn am Mittwoch und Donnerstag kommen die Staats- und Regierungschefs der 28 EU-Staaten mit 55 afrikanischen Amtskollegen in der Elfenbeinküste zum fünften EU-Afrika-Gipfel zusammen.

Eine viel engere Zusammenarbeit mit dem südlichen Kontinent ist aus Merkels Sicht vor allem schon deshalb wichtig, weil Europa in Afrika zunehmend ins Hintertreffen gerät und damit auch an politischem Gestaltungsspielraum verliert. Dabei geht es zum einen um Staaten wie China, die den Europäern in Afrika längst Konkurrenz machen. Denn die Volksrepublik baut nicht nur auf dem ganzen Kontinent Brücken, Autobahnen und Spitäler, sondern hat in Dschibuti sogar schon ihre erste Militärbasis eröffnet. Zum anderen kämpft die EU darum, die Migration nach Norden zumindest in geregelte Bahnen zu lenken.

Ebenso wie der französische Präsident Emmanuel Macron und die EU hat Merkel daher schon mehrfach Migrations- und Partnerschaftsabkommen mit afrikanischen Ländern angeregt, die eine bedeutende Rolle als Herkunfts- oder Transitland spielen. Dabei geht es nicht nur um Flüchtlinge. Der staatliche Zerfall Libyens hat gezeigt, wie sehr sich im daraus resultierenden Chaos auch terroristische Gruppen ausbreiten - die dann am Menschenschmuggel mitverdienen.

Vereint gegen die Schlepper

In den vergangenen zwei Jahren war bereits ein alternativer Ansatz zur klassischen Entwicklungshilfe versucht worden: Der "Marshallplan" für Afrika, den etwa der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani ins Spiel gebracht haben, sollte ausdrücklich auch privatwirtschaftliches Engagement fördern. Und die Voraussetzungen dazu scheinen angesichts der Wachstumsraten in etlichen afrikanischen Staaten gut zu sein: Der deutsche Außenhandel mit Afrika stieg im ersten Halbjahr 2017 um 16,7 Prozent auf 13,8 Milliarden Euro. 2016 hatte es noch einen Rückgang gegeben. Dennoch ist der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft nicht wirklich zufrieden. "Gerade im Vergleich mit den internationalen Konkurrenten halten sich deutsche Unternehmen nicht zuletzt aufgrund der mangelnden Unterstützung bislang leider spürbar zurück", sagte der Hauptgeschäftsführer Christoph Kannengießer der Nachrichtenagentur Reuters. Andere Staaten seien mit wesentlich mehr staatlicher Rückendeckung unterwegs.