Die Jungen schämen sich


Park betreibt seit der Nachkriegszeit ein Restaurant in der Seouler Innenstadt, nur einen Steinwurf vom Rathaus entfernt. In dem mittlerweile hochmodernen Viertel ist es das letzte verbliebene Hundefleisch-Lokal. Wie ein Relikt steht die kleine Hütte eingepfercht zwischen 40-stöckigen, gläsernen Bürotürmen. Dass Herr Park noch immer täglich sein Leibgericht zubereitet - als Eintopf zusammen mit Knoblauch und Lauch -, hat hauptsächlich mit seiner Leidenschaft zu tun. Profit macht Park Myeong-ja längst nicht mehr mit seinem Lokal - die Gäste bleiben schlicht aus.

Unter den 20- bis 30-jährigen Koreanern isst mittlerweile nur mehr ein Fünftel Hundefleisch. Die Jugend kennt Hunde ausschließlich als Haustiere, nicht wenige schämen sich für die Tradition ihrer Großeltern. Restaurantbesitzer Park kann das nur schwer nachvollziehen. Als er aufwuchs und Südkorea noch ein bitterarmes Agrarland war, waren Hunde oftmals die einzige Möglichkeit, tierisches Protein zu sich zu nehmen. An teueres Schweinefleisch oder Rind war nicht zu denken. Noch gut kann Park sich an die Olympischen Spiele vor 30 Jahren erinnern. Damals präsentierte sich Seoul erstmals im Licht der Weltöffentlichkeit, und um die internationalen Gäste nicht zu irritieren, ordnete die Regierung ein temporäres Verbot für Hundefleisch-Restaurants an. "Die meisten Restaurant-Besitzer haben damals einfach ihr Namensschild abgehangen. Ich musste jedoch wirklich schließen, weil die ganzen Regierungsministerien alle um die Ecke sind", sagt Herr Park.

Mit den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang, die in rund zwei Monaten beginnen werden, erhöht sich der Druck auf die Hundefarm-Besitzer erneut. Die Lokalregierung der Provinz Gangwon hat bereits zu Beginn des Jahres 40 Restaurants nahe der Olympischen Spielstätten darum gebeten, ihren Speiseplan vorübergehend zu ändern. Bis zu 7000 Euro erhalten die Betreiber als Kompensation für finanzielle Verluste. Für lokale Tierschützer sind solche Maßnahmen allerdings bloß Augenauswischerei: "Die Absicht dahinter ist falsch: Es geht darum, ausländische Besucher zu täuschen, anstatt das Problem wirklich anzugehen", wird der Aktivist Hwang Dong-yeol in der "Korea Times" zitiert.

Der Präsident als Tierschützer


Seit Mai ist jedoch mit Moon Jae-in erstmals ein Präsident im Amt, der sich ausdrücklich für den Tierschutz einsetzt. Den größten Hundefleischmarkt im Großraum Seoul hat Moon mittlerweile schließen lassen; zudem ist es nun grundsätzlich verboten, Hunde auf Marktplätzen zu schlachten. Als symbolische Geste hat der Präsident ebenfalls einen Hund adoptiert, der aus einem Zuchtbetrieb stammt. Auch Hundezüchter Kim Yeong-hwan musste vor kurzem eine Strafe zahlen, weil Tierschützer ihn bei der Lokalregierung angezeigt hatten. Angeblich würden die Stallkonstruktionen nicht den Vorschriften entsprechen. Damals hat er endgültig den Entschluss gefasst, die Branche zu wechseln.