Sie haben bereits zu Beginn die Lage im Iran angesprochen. Auch hier scheint es ein Eskalationspotenzial zu geben. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Ich denke, wir werden demnächst die Einlösung des Wahlversprechens von US-Präsident Donald Trump erleben, nämlich den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran. Daraus könnte sich ein sehr gefährliches Szenario entwickeln.

McMaster hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz gesagt, dass aus Sicht der USA jedes Investment in den Iran ein Investment in die Revolutionsgarden bedeutet.

Genau. Wir können daher davon ausgehen, dass die USA nach ihrem möglichen Ausstieg aus dem Atomwaffendeal sämtliche Firmen, die mit dem Iran Geschäfte machen, sanktionieren werden. Viele europäische Firmen, die mit dem Iran ihre Geschäftsbeziehungen seit dem Fall der Sanktionen intensiviert haben, unterhalten natürlich auch enge wirtschaftliche Beziehungen mit den USA. Hier stellt sich die Frage, ob sich diese großen Konzerne das Geschäft mit den USA entgehen lassen werden.

Wie könnte der Iran auf eine solche Entwicklung reagieren?

Nach meiner Kenntnis hat sich der Iran bisher an sämtliche Auflagen und Kontrollen des Atomabkommens gehalten. Wenn plötzlich die wirtschaftlichen Kontakte mit dem Iran wieder abgebrochen werden, so denke ich nicht, dass Teheran noch weiter ein Interesse hat, die Bestimmungen des Vertrages zu erfüllen. Somit könnte der Iran den USA einen Vorwand liefern, militärisch einzugreifen. Dieses Szenario wünsche ich mir nicht. Es wird hauptsächlich von Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Russland und China abhängen, ob dieser Vertrag weiter am Leben bleibt, oder völlig auseinanderbricht.