Damaskus. Erstmals seit Beginn der syrischen Offensive in der Rebellenenklave Ost-Ghuta ist am Montag dort ein internationaler Hilfskonvoi eingetroffen. Die Fahrzeugkolonne von UN und Rotem Kreuz passierte am Vormittag einen Kontrollpunkt der syrischen Armee. UN-Vertreter Ali al-Satari, der den Konvoi begleitet, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, es werde mehrere Stunden dauern, die Lastwagen zu entladen. Möglicherweise könnten diese erst nach Einbruch der Nacht die Enklave wieder verlassen. Zugleich äußerte Satari sich besorgt wegen der anhaltenden Kämpfe. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf das russische Militär gemeldet, Rebellen hätten im Gegenzug für Hilfslieferungen zugesichert, Zivilisten das Verlassen des Gebiets zu gestatten.

Ein Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagte, die syrischen Behörden hätten den größten Teil der medizinischen Güter des Hilfstransportes zurückgehalten. Unter anderem seien chirurgische Instrumente, Insulin und Dialyse-Ausrüstungen von den Fahrzeugen entfernt worden. Nach Sataris Worten waren die Hilfsgüter ursprünglich für 70.000 Menschen bestimmt gewesen. Die übrig gebliebene Menge reiche nur noch für 27.500 Personen. "Der Konvoi ist nicht ausreichend", sagte er. Nach UN-Angaben hat die syrische Regierung zugestimmt, den Rest der Ladung in drei Tagen nach Ost-Ghuta zu lassen.

Die syrische Armee und ihre Verbündeten setzten unterdessen ihre Bodenoffensive auf Ost-Ghuta fort und haben Beobachtern zufolge mehr als ein Drittel der umkämpften Enklave unter ihre Kontrolle gebracht. Seit Beginn der Luftangriffe auf das Gebiet vor zwei Wochen seien mehr als 700 Menschen getötet worden, teilte die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Auch die Luftangriffe seien fortgesetzt worden.

Syriens Präsident Bashar al-Assad hatte am Sonntag eine Fortführung der Militäroffensive angekündigt. Allerdings werde es parallel dazu Zivilisten möglich sein, die von islamistischen Milizen gehaltene Region zu verlassen. Nach den Worten des Machthabers gibt es keinen Widerspruch zwischen der von Russland verkündeten täglichen fünfstündigen Waffenruhe und den Kampfeinsätzen.

Russland wiederum hat der Darstellung der USA widersprochen, seine Kampfflugzeuge hätten in Ost-Ghuta Zivilisten getötet. Interfax zitierte Vize-Außenminister Sergej Rjabkow mit den Worten, die US-Einschätzung entspreche nicht der Realität. Zugleich schlug der Politiker ein Treffen von Außenminister Sergej Lawrow mit seinem US-Kollegen Rex Tillerson vor. Beide planten eine Afrikareise und könnten sich dabei Ende dieser Woche in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba treffen, sagte Rjabkow laut der Nachrichtenagentur RIA.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wiederum machte sich in einem Telefongespräch mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin dafür stark, dass Hilfskonvois die gesamte Bevölkerung in Ost-Ghuta umgehend und ungehindert erreichen müssten. Putin solle zudem sicherstellen, dass Syrien die UN-Resolution über eine 30-tägige Waffenruhe respektiere.

Truppen rücken stetig vor

Ost-Ghuta vor den Toren der Hauptstadt Damaskus ist eines der letzten größeren Rückzugsgebiete der Rebellen. Es wird von radikal-islamischen Milizen kontrolliert, die Medienberichten zufolge vor allem von Saudi-Arabien unterstützt werden. Rund 400.000 Menschen in Ost-Ghuta sind seit Jahren dort eingeschlossen. Die humanitäre Lage dort ist seit langem erschreckend; es fehlt an Medikamenten, besonders Kinder leiden am Hunger.

Nach dem wochenlangen Bombardement der Region hatten die Regierungseinheiten vor kurzem eine Bodenoffensive gestartet. Seitdem rückten sie stetig vor, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. In den vorwiegend ländlichen Gebieten kämen die Truppen rasch voran.

Unterdessen forderte der UNO-Menschenrechtsrat eine dringende Untersuchung der Angriffe und Bombardierungen in Ost-Ghuta. Er verabschiedete bei 14 Enthaltungen mit 29 zu 4 Stimmen eine entsprechende Resolution. Diejenigen, die Menschenrechte verletzt hätten, müssten zur Rechenschaft gezogen werden, verlangte der Rat.