Kairo. Der Ataba-Platz im Herzen von Kairo ist der wohl derzeit pulsierendste Platz der ägyptischen Hauptstadt. Von hier ging 1952 der Aufstand der Bewegung Freier Offiziere unter der Führung Gamal Abdel Nassers aus. Was die Ägypter danach Revolution nannten, war eigentlich ein Militärputsch, so wie auch die Revolte am Tahrir-Platz 2011. Am Ataba-Platz stand damals der britische Offiziersclub, den die aufständischen Offiziere stürmten und niederbrannten. Das bedeutete das Ende des britischen Mandats am Nil. Kurze Zeit später musste der König abdanken und ging ins Exil. So gesehen hat die Revolte am Ataba-Platz zumindest eine Veränderung in der politischen Landschaft Ägyptens bewirkt, was man von der am Tahrir-Platz nicht behaupten kann. Im Gegenteil. Viele sagen, dass es jetzt wieder so sei wie zu Zeiten Gamal Abdel Nassers.

Heute ist am Ataba-Platz ein riesiger Markt, wo es alles zu kaufen gibt. Von Kühlschränken über Fernseher, Handys, Kleidung, Lampen, Werkzeuge: Einfach alles findet man hier. Die meisten Waren kommen aus China. Sie sind billig und für die immer ärmer werdenden Ägypter erschwinglich. Während in den besseren Vierteln Kairos wie Mohandessin, Dokki und Zamalek die Läden oft leer sind, haben die Händler auf dem Ataba-Platz alle Hände voll zu tun. Fast 30 Prozent der ägyptischen Bevölkerung leben unter dem Existenzminimum von zwei Dollar am Tag. Denen bleibt nur Ataba.

Der Putin vom Nil


Im Geschäft für Badezimmeraccessoires nimmt der Verkäufer das Geld für eine Armatur entgegen und schaut die Kundin entsetzt an. "Den kann ich nicht annehmen", raunt er und schiebt einen Hundert-Pfund-Schein zurück. "Wissen Sie, was da draufsteht?", fragt er sichtlich nervös. Als die Kundin den Kopf schüttelt, springt ein nebenstehender Kunde ein und flüstert: "Da steht drauf: Tod für Sisi!" Der Händler habe Angst vor der Staatssicherheit, erklärt der Kunde noch schnell. Wenn die den Schein hier finden, machen sie den Laden dicht. Dabei hat Abdel Fattah al-Sisi doch gerade die Präsidentschaftswahlen für weitere vier Jahre gewonnen. Ein Erdrutschsieg, wie ihn die ägyptischen Medien bejubeln. Im Laden neben dem Badezimmergeschäft laufen die Fernseher. Auf den Bildschirmen flimmern die vorläufigen Ergebnisse. Nach fast allen ausgezählten Stimmzetteln, außer denen aus dem Ausland, kommt der Amtsinhaber auf über 90 Prozent Zustimmung: 25 Millionen Stimmen sollen abgegeben worden sein, 23 Millionen für Sisi. Das ist zwar etwas weniger als beim letzten Mal, als 97 Prozent für Sisi gestimmt haben, aber immer noch mehr als kürzlich für Russlands Putin - Sisis Idol. Die Wahlbeteiligung lag bei den rund 60 Millionen Wahlberechtigten allerdings bei nur rund 41 Prozent - das ist weniger als im Jahr 2014. Sisis Konkurrent Moussa Mustafa Moussa war freilich ein seltsamer Gegenkandidat - er hat selbst noch im Wahlkampf seine Unterstützung für Sisis beteuert.