Gaza/Jerusalem. Nach den blutigen Zusammenstößen zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften am Freitag bleibt die Lage an der Grenze des Gazastreifens angespannt. Am Wochenende schwächten sich die Proteste zwar deutlich ab, die radikalislamische Hamas rief jedoch zu weiteren Massendemonstrationen auf.

Israel wies Forderungen nach einer unabhängigen Untersuchung der Gewalt zurück. Die Zahl der am Freitag getöteten Palästinenser stieg am Montag nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza auf 17. Der 29-jährige Faris al-Rakib sei seinen schweren Verletzungen erlegen. Israelische Sicherheitskräfte hatten dem Palästinenser demnach in den Magen geschossen.

Al-Rakib war Mitglied der Miliz Islamischer Dschihad, wie die Gruppierung mitteilte. Der 29-Jährige sei unbewaffnet gewesen, als er angeschossen wurde.

Hunderte Palästinenser waren am Freitag verletzt worden, als israelische Soldaten zum Teil mit scharfer Munition auf sie schossen, während sie sich der stark gesicherten Grenzanlage zwischen dem Gazastreifen und Israel näherten. Das Gesundheitsministerium in Gaza gab die Zahl der Verletzten mit 1400 an. Demnach wurden 757 von scharfer Munition, die übrigen von Gummigeschossen und Tränengas getroffen.

"Es wird keine Untersuchungskommission geben", sagte Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman. Israel werde auch "mit keiner Untersuchungskommission zusammenarbeiten". Dies hatten hochrangige Vertreter von UNO und EU gefordert.

Laut Israel "organisierte terroristische Aktivitäten"


Israel verteidigte sein hartes Vorgehen. Ein Armeesprecher sagte, es habe sich "nicht um eine Protestkundgebung" gehandelt, sondern um "organisierte terroristische Aktivitäten". Er beschuldigte die radikalislamische Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, hinter den Protesten zu stehen, und drohte mit einem Angriff auf die mutmaßlichen Drahtzieher im Gazastreifen. Die Armee erklärte, dass zehn der Toten einen "dokumentierten Terrorhintergrund" hätten.

Unterdessen gingen die Proteste an der Grenze des Gazastreifens weiter, jedoch in deutlich geringerem Umfang. Demonstranten versammelten sich in einem Zeltcamp an der Grenze. Bei Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften wurden dutzende Menschen verletzt, wie das Gesundheitsministerium in Gaza mitteilte. Am Montag schlugen dutzende palästinensische Jugendliche Zelte in der Nähe eines Grenzübergangs nach Israel auf.

Das palästinensische Volk sei "entschlossen", das Land zu "befreien" und auf die von Israel "besetzte" Stadt Jerusalem "vorzurücken", sagte Chalil al-Hayya, ein hochrangiges Mitglied der Hamas.

Der Freitag war der blutigste Tag im Gazastreifen seit dem dort von Israel geführten Krieg im Jahr 2014. Zehntausende Palästinenser beteiligten sich am "Tag des Bodens" an den Massenprotesten. Die israelische Armee sprach von 30.000 Teilnehmern, unter ihnen auch Frauen und Kinder.

Der "Tag des Bodens" erinnert an die gewaltsame Niederschlagung von Protesten arabischer Bauern gegen die Enteignung ihres Landes im Norden Israels am 30. März 1976. Die neuen Proteste sollen bis Mitte Mai dauern.