Paris. Emmanuel Macron nimmt in der Syrienkrise seit langem kein Blatt vor den Mund. Oft warnte der französische Staatschef seinen syrischen Amtskollegen Bashar al-Assad. Nun wurde mit dem vermuteten Giftgaseinsatz in Douma mit vielen Toten die "rote Linie überschritten", wie Macron betonte. Der seit knapp einem Jahr amtierende Macron gab der Armee den Einsatzbefehl. Die Angriffe richteten sich laut US-Angaben gegen drei Ziele in Syrien: ein Forschungszentrum, ein mutmaßliches Lager für Chemiewaffen und eine Kommandoeinrichtung. Die syrische Regierung zählte auch einen Flughafen auf, der aber nicht beschädigt worden sei.

Der Nahe Osten gehört zum traditionellen Einflussgebiet Frankreichs. Die Atommacht kämpft dort bereits seit Jahren in der internationalen Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Internationales Recht

"Wir wollen keine Eskalation in der Region", wiederholte Macron mehrfach. Aber internationales Recht müsse respektiert werden. Der 40-Jährige sagte bereits am Donnerstag in einem TV-Interview, Frankreich habe den Beweis für den Chemiewaffeneinsatz, verantwortlich sei das Assad-Regime. In der zugespitzten Krise betont Macron den Schulterschluss mit Amerika, mit seinem US-Amtskollegen Donald Trump. Ende des Monats wird der Jungstar aus Paris zu einem Staatsbesuch in Washington erwartet.

Die beiden Staatschefs haben trotz Meinungsverschiedenheiten wie beim Klimaschutz ein persönliches Verhältnis aufgebaut. Macron vermeidet zwar in der Syrienkrise eine kriegerische und übersteigerte Rhetorik à la Trump, tritt aber in der Sache hart und entschlossen auf.

Unterschied zu Nato-Mitglied Deutschland

Macron setzt sich damit deutlich vom Nato-Partner Deutschland ab, der aufgrund seiner Geschichte immer noch in einer Tradition militärischer Zurückhaltung steht. Kanzlerin Angela Merkel unterstützt aber den Militäreinsatz.

Großbritannien agierte in der Krise vorsichtiger, zog aber dann mit den USA und Frankreich an einem Strang. "Die Welt ist vereint in ihrer Empörung über den Gebrauch von chemischen Waffen, vor allem gegen Zivilisten", sagte Außenminister Boris Johnson.

"Wir haben keine Wahl"

Premierministerin Theresa May zeigt sich vom Erfolg des gemeinsamen Militärschlags überzeugt. "Wir haben keine Wahl", bilanzierte sie. Der Vergeltungsschlag sei "richtig und legal" gewesen. Einwände kamen vom Chef der oppositionellen Labour-Partei, Jeremy Corbyn. Er bezeichnete die Angriffe als gesetzlich fragwürdig und hatte ein Mitspracherecht des Parlaments angemahnt.