Havanna. In Kuba geht eine Ära zu Ende. Erstmals seit fast 60 Jahren wird der starke Mann auf der sozialistischen Karibikinsel nicht mehr Castro heißen. Das Sesselrücken an der Staatsspitze dürfte allerdings nicht zu einem radikalen Politikwechsel führen. Oberstes Ziel der Regierung ist der Machterhalt. Auf keinen Fall will sie das gleiche Schicksal erleiden, wie die Sozialisten in Osteuropa.

"Es gibt die weit verbreitete Meinung, dass sich in dem Land sowieso nichts ändert, egal wer am Steuerrad steht", schreibt die kubanische Dissidentin Yoani Sanchez in ihrem Blog "14 y medio". "Die Bürger haben den Eindruck, dass sie letztendlich nicht von dem profitieren, was da oben passiert." Wenn es in ihrem Viertel nach Monaten endlich wieder Kartoffeln zu kaufen gibt, sorgt das für mehr Aufregung als der Wechsel an der Staatsspitze.

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Am Donnerstag tritt das kubanische Parlament zusammen und wählt den neuen Staatsrat. Nachfolger von Präsident Raul Castro soll dem Vernehmen nach dessen rechte Hand Miguel Diaz-Canel werden. Der Parteikader liegt voll auf Linie. "Die kubanischen Präsidenten werden stets die Revolution verteidigen. Vor allem brauchen wir Kontinuität", sagte der bisherige Vizepräsident Diaz-Canel vor Kurzem.

Keine natürliche Legitimation

Im Gegensatz zu den Revolutionären Fidel und Raul Castro, die noch selbst in der Sierra Maestra kämpften und mit ihrer Rebellenarmee den Diktator Fulgencio Batista aus dem Land trieben, verfügt der 57-Jährige allerdings nicht über die natürliche Legitimation der alten Kämpfern. Er muss "liefern".

"Diaz-Canel muss sich seine Legitimation erst erarbeitet. Er wird nach seiner Leistung bewertet werden, nach seiner Fähigkeit Versprechen einzulösen über Reformen, eine responsivere Regierung, mehr Zugang zu Informationen, Verbesserung der Lebensqualität und mehr Chancen für junge Leute", schreibt die Kuba-Expertin Marguerite Rose Jimenez vom Washington Office on Latin America (Wola) in der Zeitschrift "Foreign Affairs".

Lange Aufgabenliste

Die Aufgabenliste für den neuen kubanischen Präsidenten ist lang: Er muss mehr ausländische Investoren anlocken, die Beziehungen zu den USA wieder verbessern, die Zusammenlegung der beiden Parallelwährungen vorantreiben und die Finanzierung der sozialen Leistungen wie kostenlose Gesundheitsversorgung und Bildung sicherstellen.