Damaskus/Teheran/Jerusalem. (klh/dpa/apa) Es war eine deutliche Machtdemonstration: Israel hat in der Nacht auf Donnerstag massive Angriffe auf Stellungen des Irans in Syrien sowie gegen die syrische Armee geflogen. Das genaue Ausmaß der Zerstörungen ist nicht klar, doch scheinen diese massiv zu sein.

Die der syrischen Opposition nahestehende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte zählte nach den Angriffen 23 Todesopfer. Unter diesen waren demnach fünf Soldaten der syrischen Regierungstruppen und 18 mit diesen verbündete Kämpfer.

Russland, das mit Syriens Machthaber Baschar al-Assad verbündet ist und von Israel von den Angriffen vorab informiert wurde, berichtete, dass an dem Einsatz 28 israelische Kampfjets beteiligt gewesen seien, die etwa 70 Raketen abgeschossen hätten. "Wir haben fast die gesamte iranische Infrastruktur in Syrien getroffen", sagt der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman. Nach Medienberichten sind es die schwersten Angriffe Israels in Syrien seit dem Jom-Kippur-Krieg 1973. Laut der israelischen Armee seien Einrichtungen des Geheimdienstes, der Logistik, Militärposten, Lagerräume und Spähposten getroffen worden. Russland wiederum berichtet, dass die syrische Luftabwehr die Hälfte der israelischen Raketen abgefangen hätte.

Der israelische Luftschlag war eine Reaktion darauf, dass zuvor iranische Revolutionsgarden mit rund 20 Raketen Armeeposten auf den von Israel besetzen Golan-Höhen angegriffen haben. Dabei schlug aber keine auf israelisch kontrolliertem Gebiet ein: Vier wurden abgefangen, der Rest landete auf der syrischen Seite des strategisch wichtigen Felsplateaus, das Israel 1967 erobert hatte. Zuvor wiederum hatte Israel bereits mehrere punktuelle Schläge in Syrien gegen iranische Stellungen durchgeführt.

Der Iran steht in Syrien Assad zur Seite und hat dort, vor allem über die von ihm unterstützte, aus dem Libanon stammende Hisbollah-Miliz und die Revolutionsgarden, eine große militärische Präsenz aufgebaut. Für Israel ist das ein Albtraum: Damit steht der Iran mit der Hisbollah nicht nur im Libanon an Israels Grenze, sondern auch in Syrien, während das Mullah-Regime selbst im etwa 2000 Kilometer entfernten Teheran hockt.

Israels Premier Benjamin Netanjahu hat immer wieder betont, dass sich Israel das auf keinen Fall gefallen lässt. Und dass er lieber heute als morgen die iranische Infrastruktur an der Grenze zerstört sehen will, bevor diese weiter anwächst.

Der Iran hatte sich bis vor kurzem noch mit Angriffen auf israelische Ziele zurückgehalten. Grund dafür war laut Beobachtern, dass Teheran den Vereinigten Staaten keinen Vorwand liefern wollte, aus den Atomvertrag auszusteigen. Doch US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag den Atomvertrag einseitig gekündigt. Kurz darauf folgte der Angriff der Revolutionsgarden auf den Golan. Nun wächst die Sorge vor einer weiteren militärischen Eskalation im Nahen Osten. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Russland riefen beide Seiten zur Besonnenheit und Deeskalation auf.