Aksener gilt als resolut und mit allen Wassern gewaschen. reu
Aksener gilt als resolut und mit allen Wassern gewaschen. reu

Ankara. (rs) Umfragen zufolge wird Meral Aksener bei der Präsidentschaftswahl am Sonntag zwar nur den dritten Platz hinter Amtsinhaber Recep Tayyip Erdogan und CHP-Spitzenkandidat Muharrem Ince belegen. Die für ihre feurige Rhetorik bekannte Chefin der erst im Oktober 2017 gegründeten Iyi Parti stellt für den Präsidenten aber dennoch eine ernste Gefahr dar. Denn Aksener dürfte Erdogan und vor allem der mit ihm verbündeten ultranationalistischen MHP viele wichtige Stimmen abnehmen. So gehen die Demoskopen davon aus, dass ein Großteil der bisherigen MHP-Wähler und bis zu zehn Prozent der AKP-Sympathisanten sich diesmal für die rechte Hardlinerin entscheiden.

Aksener war vor knapp einem Jahr quasi über Nacht zur neuen Hoffnungsträgerin des konservativ-nationalen Lagers aufgestiegen. Die heute 61-Jährige hatte damals lautstark und mit unermüdlichem Einsatz für ein "Nein" beim Verfassungsreferendum geworben und sich damit als ernstzunehmende Alternative für all jene positioniert, die nichts mit der CHP oder der HDP anfangen konnten, aber trotzdem unzufrieden mit Erdogan und seiner AKP waren. "Asena", wie sie viele Anhänger in Anlehnung an die mythische Wölfin in der türkischen Ursprungslegende nennen, ist alles andere als eine politische Novizin. Bereits 1996 war sie acht Monate Innenministerin für ihre damalige Partei DYP. Später saß Aksener für die MHP im Parlament. Nachdem sie sich mit Parteichef Devlet Bahceli überworfen hatte, gründete sie schließlich ihre eigene Partei.

An Aksener schätzen ihre Unterstützer neben ihrem Engagement und ihrem Durchsetzungsvermögen vor allem auch die offen zur Schau getragene Härte. So spielte sie als Innenministerin eine zentrale Rolle bei den Repressionen gegen die Kurden. Allerdings hat Aksener im aktuellen Wahlkampf auch moderate Töne angeschlagen, um für die liberalere Mitte wählbar zu sein.