- © afp/Klimentyev
- © afp/Klimentyev

Wien. Donald Trump setzt den Verbündeten der USA das Messer an den Hals, den Widersachern Washingtons klopft er auf die Schultern. Die Reise des Amerikaners durch Europa, die Treffen mit den Verbündeten wurden von Teilnehmenden mit einer Hochschaubahnfahrt verglichen: Auf den Vernichtungsschlag folgte Lob in höchsten Tönen. Wobei es wohl vor allem der britischen Premierministerin Theresa May den Magen ausgehoben haben dürfte: Sie musste sich zuerst von Trump in Sachen Brexit schulmeistern lasen, dann wurde ihr größter Konkurrent Boris Johnson von Trump als vielversprechender Premier gelobt und ein Handelsabkommen nach dem EU-Austritt massiv in Frage gestellt.

Während sich die Staats- und Regierungschefs der Nato-Staaten noch von den Schockerlebnissen des Brüssel-Gipfels erholen, blickt alles gebannt und mit verständlicher Nervosität nach Helsinki. Dort wird am Montag das Treffen zwischen dem US-Präsidenten und seinem russischen Amtskollegen über die Bühne gehen und alles fragt sich, welche unangenehmen Überraschungen Trump diesmal parat hat. Ob und welche Bombe er dort platzen lassen wird. Im Vorfeld ließ Trump wissen, dass er Putin als "Konkurrenten" wahrnehme, nicht als "Freund", dafür kenne man sich noch nicht gut genug. Er, Trump, erwarte aber, dass er mit Putin ganz hervorragend zurecht kommen werde. Das Treffen in Helsinki werde das einfachste seiner gesamten Reise werden, so Trump. Hoffentlich werde Putin dort ein guter Freund.

Dass genau das eintritt, befürchten Trumps Parteikollegen, darunter niemand geringerer als US-Senator John McCain, Ex-Präsidentschaftskandidat und Doyen der US-Konservativen. Der US-Präsident müsse seine beunruhigende Tendenz ändern, den Gegnern Amerikas die Ehrerbietung und Hochachtung zuteil werden zu lassen, die eigentlich für unsere Verbündeten bereitgehalten werden sollte", so der schwerkranke McCain.

Parallele zu Nordkorea

In der Tat werden im Vorfeld des Treffens Parallelen zum Treffen Trumps mit Kim Jong-un gezogen. Der US-Präsident hat den nordkoreanischen Diktator im Juni vor großer Kulisse in Singapur getroffen - voll des Lobes und auf gleicher Augenhöhe. Eine große Inszenierung, wie immer, wenn Trump auftritt. Der selbstverliebte Tycoon wollte damit seine Fähigkeiten als Dealmaker unter Beweis stellen, geblieben ist abseits von Glanz und Glamour kaum mehr als ein schaler Nachgeschmack.

Zwar spricht auch Kim Jong-un von einem "epochalen Fortschritt" in den Beziehungen zur USA, in der Substanz hat sich aber nicht viel verändert. Von einem kompletten Abbau des nordekoreanischen Atomprogramms, wie in Singapur zugesagt, kann keine Rede sein. Es gibt kein Indiz, dass dieser Abbau in Angriff genommen würde. Das wäre aus Sicht Nordkoreas auch völlig widersinnig und so, als würde man seine Lebensversicherung mutwillig aufs Spiel setzen. Erst vor wenigen Tagen hat Nordkorea den USA vorgeworfen, "gangstermäßige" und "gierige" Forderungen hinsichtlich der atomaren Abrüstung gestellt zu haben. "Es sieht so aus, als hätten die USA unseren guten Willen und unsere Geduld missverstanden".