Teheran/Washington. (rs) Wie wichtig die Straße von Hormus für die globale Erdölversorgung ist, zeigen allein schon die Zahlen der US-Energieinformationsbehörde EIA. So wurden 2016, dem jüngsten Jahr, für das Daten vorliegen, täglich rund 18,5 Millionen Barrel Rohöl und andere Ölprodukte durch die Meerenge zwischen dem Iran und Oman transportiert. Das entspricht knapp einem Drittel des weltweit verschifften Öls und macht die Straße von Hormus noch vor der in Südostasien gelegenen Straße von Malakka zum bedeutendsten maritimen Nadelöhr für Öllieferungen.

Doch nicht nur im Ölgeschäft spielt die Meerenge am Ausgang des Persischen Golfs eine zentrale Rolle. Auch 30 Prozent des weltweit gehandelten Flüssiggases wird über diese Route abgewickelt, da vor allem der globale Hauptexporteur Katar seine Kapazitäten zur Verflüssigung von Erdgas in den vergangenen Jahren konsequent ausgebaut hat.

Für den Iran ist die Straße von Hormus aber nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht bedeutsam, sondern vor allem auch aus geostrategischer Perspektive. Denn mit einer Sperre der Meerenge besitzt die Islamische Republik im sich zunehmend verschärfenden Konflikt mit den USA ein nicht zu unterschätzendes Druckmittel. Und dieses versucht der Iran seit dem Ausstieg der USA aus dem Wiener Atomabkommen, von Woche zu Woche stärker ins Spiel zu bringen.

So hatte ein Vertreter der mächtigen Revolutionsgarden schon Anfang Juni damit gedroht, die Meerenge zu sperren. Nur knapp drei Wochen später deutete schließlich auch Präsident Hassan Rouhani selbst eine solche Blockade an, falls die USA weiter ihr Ziel verfolgen würden, die iranischen Öl-Exporte bis Anfang November zum Erliegen zu bringen.

In den kommenden Tagen dürften den verbalen Drohgebärden nun auch erste Militärmanöver folgen, mit denen der Iran seine Stärke demonstrieren will. So bereitet das Land nach Einschätzung vor US-Militärvertretern derzeit größere Übungen unter anderem in der Straße von Hormus vor. "Wir beobachten das genau und arbeiten weiterhin mit unseren Partnern zusammen, um freie Schifffahrt und einen freien Handel auf internationalen Wasserstraßen sicherzustellen", sagte Marine-Kapitän Bill Urban, Sprecher des Zentralkommandos, das für die US-Streitkräfte im Nahen Osten zuständig ist. Nähere Details zu den Manövern nannte Urban nicht. US-Vertreter, die nicht genannt werden wollten, sagten, die iranischen Revolutionsgarten bereiteten mehr als 100 Schiffe für Übungen vor. Auch Bodentruppen könnten beteiligt sein.

Nadelstiche mit Schnellbooten


Prinzipiell lässt sich die Straße von Hormus mit militärischen Mitteln relativ einfach kontrollieren. So ist die Meerenge an ihrer schmalsten Stelle nur knapp 34 Kilometer breit. Der schiffbare Korridor, der sich aus der Berücksichtigung der Hoheitsgewässer ergibt, ist aber noch deutlich enger. So sind die beiden Fahrrinnen, die durch eine Pufferzone getrennt sind, lediglich drei Kilometer breit.

Die iranische Marine und die Revolutionsgarden wären den US-Streitkräften im Falle einer direkten bewaffneten Auseinandersetzung technologisch aber weit unterlegen. Allerdings könnte der Iran auf eine Art asymmetrische Kriegsführung setzen, bei der keine großen Kriegsschiffe zum Einsatz kommen, sondern dutzende kleine Schnellboote, die mit hocheffektiven Raketenwerfern bewaffnet sind. Unterstützt werden würden diese Schiffe, die schon in den vergangenen Jahren immer wieder bei iranischen Großmanövern zum Einsatz kamen, wohl von landgestützten Raketenbatterien und Seeminen. "Einzeln betrachtet können diese jüngsten Verbesserungen nicht mit der westlichen Technologie mithalten. Aber zusammengenommen sind diese Elemente mehr als die Summe ihre einzelnen Teile, vor allem wenn es um die Kriegsführung auf beengtem Raum wie in der Straße von Hormus geht", heißt es in einem vor kurzem veröffentlichten Bericht des US-Marinegeheimdienstes ONI.

Schaden lässt sich aber vermutlich schon mit viel einfacheren Mitteln anrichten. Um die Straße von Hormus zu sperren könnte es auch schon ausreichen, wenn der Iran nur damit drohe, Minenteppiche in der Meerenge zu verlegen, sagt Steffen Bukold, Chef des Hamburger Energieinformationsdienstes Energycomment, gegenüber "Spiegel Online". Denn schon im Falle einer glaubhaften Drohung würden die Versicherungsunternehmen sich weigern, Deckungen für die Schiffe zu übernehmen. "Dann läuft nichts mehr."