Istanbul/Washington/Riad. Der verschwundene saudische-arabische Journalist und Regierungskritiker Jamal Khashoggi soll nach einem türkischen Medienbericht seine Ermordung mit einer Apple-Computer-Uhr aufgezeichnet haben. US-Präsident Donald Trump erklärte am Samstag in einem Interview mit der TV-Station CBS, Saudi-Arabien werde "schwer bestraft", falls sich die Vorwürfe bestätigen dürften.

Die große türkische Zeitung "Sabah" berichtete am Samstag, dass der Journalist noch vor Betreten des saudi-arabischen Konsulats eine Aufnahmefunktion an seiner Apple Watch eingeschaltet habe. Sein Handy, das er seiner vor dem Konsulat wartenden Verlobten gegeben habe, sei mit der Uhr an seinem Handgelenk synchronisiert gewesen. So seien die Geräusche während seiner Exekution gespeichert worden. Die Aufnahmen deuten demnach darauf hin, dass er gefoltert und umgebracht wurde.

"Vertrauenswürdige Quellen" 

Der türkische Geheimdienst MIT und die Polizei hätten die Daten, die in den iCloud-Speicher übertragen wurden, dann ausgewertet, berichtete "Sabah" weiter. iCloud ist ein Dienst von Apple, mit dem Daten gespeichert und auf mehreren Geräten synchronisiert werden können.

"Die Momente, in denen sich das Attentäter-Team ... mit Khashoggi beschäftigt hat, wurden Minute für Minute aufgezeichnet", schreiben die Autoren. Die Täter hätten aber versucht, einige Daten zu löschen. "Sabah" beruft sich auf "vertrauenswürdige Quellen". Nach Kashoggis Tod hätten saudi-arabische Geheimagenten bemerkt, dass die Aufnahme weiter laufe, berichtete die Zeitung. Sie hätten Kashoggis Fingerabdruck benutzt, um das Telefon zu entsperren, und einige, aber nicht alle Daten gelöscht. Die Aufnahmen seien später auf Kashoggis Handy gefunden worden. Die türkische Polizei geht davon aus, dass der Journalist im Konsulat ermordet wurde.

Riad weist Vorwürfe zurück

Die Regierung in Riad wies diesen Vorwurf zurück. Saudi-Arabien hatte bereits vor Erscheinen des Berichts jegliche Mitschuld am Verschwinden des Regimekritikers bestritten. Das Königreich sieht sich nach Angaben des Innenministeriums durch falsche Anschuldigungen in ein schlechtes Licht gerückt.

Nach Veröffentlichung des "Sabah"-Artikels tauchten umgehend Zweifel an der türkischen Version auf. Unter anderem wird eine Apple-Uhr immer mit einem iPhone des Besitzers verknüpft, mit dem sie üblicherweise per Bluetooth-Funk Daten austauscht. Das Bluetooth-Signal hat eine Reichweite von einigen Metern, Khashoggis Verlobte müsste also mit seinem iPhone sehr nahe am Konsulatsgebäude gestanden haben, damit die beiden Geräte diese Verbindung aufrechterhalten.