Ex-Fußballer Ronaldinho trägt stolz die Nummer 17 der Liste von Bolsonaro. - © twitter/@10Ronaldinho
Ex-Fußballer Ronaldinho trägt stolz die Nummer 17 der Liste von Bolsonaro. - © twitter/@10Ronaldinho

Brasilia. Wenn Michelle Reinaldo (38) in diesen Tagen vor die Kamera tritt, darf ein Kleidungsstück nicht fehlen. Die Ehefrau des rechtspopulistischen Präsidentschaftskandidaten Jair Bolsonaro (63) trägt ein schwarzes Hemd mit einem Kreuz darauf. Es ist nicht die einzige Anspielung der Bolsonaros auf ihre Nähe zu den christlich-fundamentalistischen Kirchen in Brasilien. Der ehemalige Fallschirmjäger der brasilianischen Armee lässt keinen Zweifel daran, welchen Stellenwert er Gott in seiner Präsidentschaft einräumen lassen will. Bolsonaros Slogan lautet vielsagend: "Brasilien über alles und Gott über allen." In seinen Wahlkampfspots zitiert er Bibelverse, noch wichtiger aber ist der Schulterschluss mit und die Rückendeckung von Edir Macedo, dem Gründer der evangelikalen "Universalkirche", dessen Privatvermögen inzwischen auf rund eine Milliarde Dollar geschätzt wird und der ein Imperium von über tausenden Gotteshäusern in Brasilien steuert.

Sein Neffe Marcelo Crivella ist bereits dem Ziel ein gutes Stück näher gekommen. Seit gut zwei Jahren ist Crivella, zugleich Bischof der evangelikalen "Universalkirche vom Reich Gottes", Bürgermeister der Stadt Rio de Janeiro. Und er nutzt die Macht, um seiner Glaubensgemeinschaft im Kampf um die Vorherrschaft gegen die katholische Kirche und die afrikanischen Glaubensrichtungen strategische Vorteile zu verschaffen. Jüngst lud er 250 Teilnehmer, allesamt Vertreter evangelikaler Kirchen, zu einem Geheimtreffen in seinem Amtssitz. Nicht ohne eine Nachrichtensperre zu verhängen: Keine Fotos, keine Videos, keine Statements sollten nach außen dringen, der Termin in seinem Amtssitz fand sich in keiner Agenda. Crivella und seine Gotteskrieger wollten Ende Juli unter sich sein und einen Pakt für die Zukunft schmieden, der da unausgesprochen lautet: die endgültige Machtübernahme in Rio, Stadt der Christus-Statue und des Karnevals. Crivella folgt der Marschroute, dass "nur ein evangelikales Brasilien die Heimat retten" könne. Inmitten der tiefen wirtschaftlichen Krise, in der sich das Land befindet, finden solche Aussagen immer mehr Anhänger.

Aber Crivella und seine Mitstreiter um das Reich Gottes sprachen nicht über den besten Weg, um ins Himmelreich zu gelangen, sondern über ganz profane Dinge wie Steuerbefreiungen, kostengünstige chirurgische Eingriffe für Kirchenmitglieder oder die Verlegung von Bushaltestellen direkt vor die Eingangstüren der inzwischen tausenden evangelikalen Kirchengebäude in Rio de Janeiro. Der Weg zu Gott und zur Macht, das wissen die Manager der umsatzstarken evangelikalen Kirchen, führt vor allem über die Geldbörse und Privilegien. Die Grundsteuer, von denen der Evangelikale Crivella seine Kirchen befreien will, hatte der Bürgermeister Crivella zuletzt für alle anderen Bürger massiv erhöht. Das Milliardenvermögen der Kirchen beruht auf einem einfachen Prinzip: Nahezu alle evangelikalen Kirchen verlangen von ihren Gläubigen rund zehn Prozent ihrer Einkünfte als "freiwillige" Spende. Crivellas "Universalkirche" hat es so zu einer der reichsten Kirchen Brasiliens gebracht.