Haben Sie auch eine amüsante Big-Data-Anekdote in petto?

Da gibt es einige witzige Beispiele. Eine Big-Data-Analyse in den USA hat etwa ergeben, dass bei Autos mit der Farbe Orange die Wahrscheinlichkeit, dass sie Reparaturen benötigen, am geringsten ist.

Wirklich?

Kein Witz. Schon beginnt es, in unseren Köpfen zu arbeiten: Werden orange Autos in der Dunkelheit besser gesehen und sind deswegen in weniger Unfälle verwickelt? Oder vielleicht stehen sie in der Garage, weil Zweitwagen oft Orange lackiert sind? Zack, schon schnappt die Falle des vorschnellen Denkens zu: Denn diese Korrelation sagt überhaupt nichts. Wenn es nämlich tatsächlich so einfach wäre, dann müsste man ja nur sein Auto auf Orange umlackieren lassen und schon braucht man nicht mehr in die Werkstatt fahren.

Wie sehen Sie Big Data im Zusammenhang mit der Affäre rund um den Aufdecker Edward Snowden, der aufzeigt, in welchem Ausmaß der US-Geheimdienst NSA die Bürger außerhalb, aber offenbar auch innerhalb der USA elektronisch überwacht?

Den US-Diensten geht es wie Goethes Zauberlehrling. Eine Anekdote: Die amerikanische Standardisierungsbehörde National Institute of Standards and Technology (NIST) hat jahrelang eine bestimmte Verschlüsselungsmethode empfohlen. Nun hat sich herausgestellt, dass da ein Hintertürl für den US-Geheimdienst NSA eingebaut war. Das führt nun erstens dazu, dass die internationalen Banken, die diese Verschlüsselungsmethode für ihre vertraulichen Daten verwendet haben, auf einen anderen Verschlüsselungsalgorithmus umsteigen müssen, und zweiten ist der Ruf der US-Standardisierungsbehörde schwer ramponiert. Damit haben die US-Dienste den amerikanischen Interessen geschadet: Internationale Banken werden auf nicht-amerikanische Technologie umsteigen. In Zukunft wird vielleicht ein chinesischer oder schwedischer Standard eingesetzt, den US-Unternehmen dann teuer lizenzieren müssen.

Social Media scheint für Geheimdienste besonders interessant...

...und zwar deswegen, weil es nicht nur darum geht, was jemand sagt, sondern vor allem, wem er es mitteilt. Wenn man die Verbindungen im Netzwerk eines Menschen durchleuchtet, dann sieht man sehr rasch, wer mit wem wie stark verbunden ist. Theoretisch können Sie die soziale Netz-Topologie einer gesamten Gesellschaft abbilden. Informationen lassen sich rasch und leicht herausfiltern. Unsere Gesellschaft hat bestimmte Regeln, bestimmte Gesetze. Manche werden streng durchgesetzt, andere weniger. Plötzlich habe ich die Möglichkeit, anhand des Stromverbrauchs herauszufiltern, wer in seinem Keller Marihuana anbaut. Am Ende wird dann mit Kanonen auf Spatzen geschossen.