Stadt des 6. Oktobers. Vom Zentrum Kairos führt die Autobahn durch einen Streifen Ackerland westlich der Stadt in die Wüste. Am Horizont ziehen die Pyramiden vorbei, nach 30 Kilometern verdichtet sich die Bebauung entlang der Straße zu einer Stadt: der Stadt des 6. Oktobers. Sie ist nach dem Oktoberkrieg 1973 gegen Israel benannt und eine von acht Satellitenstädten, die in der Wüste westlich und östlich von Kairo aus dem Boden gestampft wurden. Rund 200.000 Menschen wohnen hier, arbeiten in den Industrieparks, wo Unternehmen wie BMW und Daimler ihre Niederlassungen haben, studieren an den Universitäten oder stecken jeden Tag am Weg nach Kairo zur Arbeit im Stau. 2012 kamen die ersten syrischen Flüchtlinge in die Stadt, denn die Mieten sind günstiger als in Kairo. Nachdem sich eine kleine Community gebildet hatte, zogen andere nach. Inzwischen leben hier 32.000 Syrer.

"Wollen nicht untätig sein"


Das Taxi hält vor der El-Hussary Moschee, einem sandfarbenen Bau mit Kuppel und Minarett. Am Straßenrand warten Tuk-Tuks auf Fahrgäste. Abdulsalam Alshibli ist mit dem Minibus gekommen. Der 25-Jährige mit Brille und kurzen Jeans hat Syrien 2012 verlassen. Nach Protesten gegen das Regime flog er von der Uni, das Projekt eines oppositionellen Fernsehsenders scheiterte. "In Syrien gab es für mich nichts mehr zu tun", sagt Alshibli. "Also habe ich Homs verlassen und ging nach Ägypten. Wir Syrer wollen nicht untätig sein, viele haben sich selbständig gemacht." In dem Häuserblock hinter einer Reihe verstaubter Bäume haben Syrer ihre Geschäfte eröffnet. Es ist Ramadan und es ist heiß. Die Cafés und Restaurants sind geschlossen. Aber die Straßenhändler und Ladenbesitzer haben alle Hände voll zu tun, weil die Leute für Iftar einkaufen, das große Essen bei Sonnenuntergang.

Mohamad Saber Dawood ist ein bauchiger Mann mit Schnauzbart. Auf der Brusttasche seines weißen Hemds prangt der Schriftzug: Dawod Sweets. In den Vitrinen seines Ladens locken Süßspeisen aller Art: Konfekt mit Pistazien und Honig, Grießgebäck mit Mandel-, Nuss- und Dattelfüllung, Topfen- und Mandelkuchen mit Sirup überzogen. Dawood verließ Damaskus vor drei Jahren und kam mit seiner Familie nach Ägypten. Als Patissier war Dawood bereits in Damaskus bekannt. Hier in der Oktoberstadt hat der Geschäftsmann eine kleine Fabrik, inklusive Lager und Laden eröffnet. Und das Geschäft läuft. Nicht nur Syrer, auch Ägypter kaufen bei ihm ein. "Ich exportiere auch nach Europa", sagt Dawood und ein Mitarbeiter zeigt die Rückseite einer Konfektschachtel, auf der die Flaggen der belieferten Staaten abgebildet sind. "Jeden Monat verschicken wir ein oder zwei Container ins Ausland." Dawood nickt zufrieden. Als Mitarbeiter bevorzugt er Syrer. Einerseits, weil er seine Landsleute unterstützen möchte. Andererseits, weil er speziell ausgebildete Mitarbeiter braucht, um die Süßwaren in der gewohnten Qualität anbieten zu können. Die Ägypter hätten von syrischen Süßspeisen wenig Ahnung. "Die würden mir das Geschäft zerstören." Aber das Gesetz sieht vor, dass für einen Nicht-Ägypter zehn Ägypter eingestellt werden müssen. "Eine Herausforderung", sagt Dawood.