• vom 11.02.2015, 10:51 Uhr

Weltchronik

Update: 11.02.2015, 16:30 Uhr

Flucht nach Europa

300 Menschen vor libyscher Küste ertrunken




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Von WZ Online, red, APA, AFP

  • Nur neun Überlebende, die nach vier Tagen auf See gerettet wurden.

Die italienische UNHCR-Sprecherin, Carlotta Sami, war bei der Ankunft der Überlebenden in Italien dabei und postete dieses Foto auf Twitter.

Die italienische UNHCR-Sprecherin, Carlotta Sami, war bei der Ankunft der Überlebenden in Italien dabei und postete dieses Foto auf Twitter.© Twitter, @CarlottaSami Die italienische UNHCR-Sprecherin, Carlotta Sami, war bei der Ankunft der Überlebenden in Italien dabei und postete dieses Foto auf Twitter.© Twitter, @CarlottaSami

Rom. Bei einem Bootsunglück im Mittelmeer werden vor der libyschen Küste sind voraussichtlich 330 Flüchtlinge ums Leben gekommen. Wie das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Mittwoch mitteilte, waren vor Libyen drei Flüchtlingsboote gesunken. Nur neun der über 300 Passagiere seien nach vier Tagen im Meer lebend gerettet worden, erklärte die UNHCR-Sprecherin für Italien, Carlotta Sami. "Von diesen überlebten nur neun", erklärte Sami im Kurznachrichtendienst Twitter. "Es sind neun und sie wurden nach vier Tagen auf dem Meer gerettet. Die anderen 203 hat das Meer verschluckt." Es sei eine "schreckliche und enorme Tragödie".

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Genf starteten die Flüchtlinge am Samstag nahe der libyschen Hauptstadt Tripolis. Es handelte sich offenbar um einen ganzen Tross von Booten. Die italienische Küstenwache hatte ein viertes Boot mit 105 Menschen an Bord aufgegriffen, das am Sonntag gemeinsam mit den vermissten Booten in See gestochen sei. Zu dieser Zeit habe es sehr hohen Wellengang gegeben und die Temperaturen seien nur knapp über dem Gefrierpunkt gelegen. 
Hubschrauber, Flugzeuge und Schiffe der italienischen Marine patrouillieren den Seeraum 100 Meilen südlich von Lampedusa auf der Suche nach Vermissten. Die Suchaktion brachte bisher keine Ergebnisse.

Vermutlich bereits am Montag gekentert


Die neun Überlebenden erreichten am Mittwoch die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa. Sie sprechen Französisch und stammen vermutlich aus Westafrika. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) starteten sie am Samstag an der libyschen Küste mit zwei Schlauchbooten. Auf jedes der Boote hätten sich mehr als hundert Flüchtlinge gezwängt, vermutlich am Montag seien sie dann gekentert

In der gleichen Region hatte die Küstenwache am Sonntag ein weiteres Boot aus Libyen mit hundert Flüchtlingen aufgebracht. Sieben von ihnen waren bereits erfroren, als die Hilfe eintraf. 22 weitere starben an Unterkühlung an Bord der Küstenwache, bevor sie Lampedusa erreichten. Der Grund: Flüchtlinge sitzen weder wind- noch wassergeschützt im Bug des Bootes dicht gedrängt nebeneinander und müssen dort noch Hunderte Kilometer ausharren bis das Boot Land erreicht.

Die süditalienische Insel Lampedusa ist nach zwei Schiffsunglücken mit mehr als 350 Toten im Oktober 2013 zum Sinnbild für Flüchtlingskatastrophen auf dem Mittelmeer geworden. Danach hatte Italien die Rettungsmission "Mare Nostrum" ins Leben gerufen, die in den folgenden Monaten Tausende Flüchtlinge auf dem Mittelmeer in Sicherheit brachte. Diese wurde vergangenes Jahr von der EU-Grenzschutzmission "Triton" abgelöst. Das UNO-Flüchtlingshilfswerk kritisierte das Programm erneut als unzureichend. Doch die Europäische Union hatte sich nicht bereit erklärt, die Kosten für "Mare Nostrum" mitzutragen - die lagen bei etwa neun Millionen Euro pro Monat. Für "Triton" gibt die EU lediglich drei Millionen Euro aus.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-02-11 10:52:01
Letzte Änderung am 2015-02-11 16:30:47


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