• vom 18.09.2017, 18:03 Uhr

Weltchronik

Update: 18.09.2017, 22:26 Uhr

Afrika

"Die Lage war schlimm und ist es noch"




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Von Klaus Huhold

  • Hungerkatastrophe im Südsudan: Die Zusammenarbeit mit den Behörden ist nicht immer einfach.



Wien. Im Südsudan spielt sich eine humanitäre Katastrophe ab. Seit fast vier Jahren versinkt das Land im Bürgerkrieg, sämtliche Friedensinitiativen prallen an Regierung und Rebellen ab. Für die Zivilbevölkerung bedeutet das: Hunger und Vertreibung. Die "Wiener Zeitung" sprach mit Jürg Eglin, dem Delegationsleiter des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) für den Südsudan, über die Lage im Land.

"Wiener Zeitung": Am Jahresanfang warnten die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen, dass im Südsudan eine der schlimmsten Hungerkatastrophen aller Zeiten droht. Hat sich diese Befürchtung bewahrheitet?

Jürg Eglin: Die Lage war schlimm und ist es noch immer. Viele Menschen leiden, und die Zahlen sprechen für sich: Derzeit zählt man vier Millionen Vertriebene. Davon sind zwei Millionen in die Nachbarländer geflohen, während weiter zwei Millionen Vertriebene im eigenen Land sind. Für diese Leute ist es enorm schwer, sich durchzuschlagen. Die Nahrungsmittellage war Anfang des Jahres sehr kritisch und man machte sich Sorgen, dass die Zahl der Hungernden steigt. Mittlerweile hat sich die Lage leider nicht verbessert, aber man kann es vielleicht so sagen, dass sie sich ein bisschen stabilisiert hat. Die Regenzeit war relativ gut, die Leute konnten ein wenig pflanzen. Auch die Bemühungen der Hilfsorganisationen haben dazu beigetragen, dass es nicht schlimmer wurde.

Jürg Eglin ist Agrarökonom und arbeitet seit 26 Jahren für das Internationale Komitee des Roten Kreuz in Afrika. Seit 2015 ist er Delegationsleiter für den Südsudan.

Jürg Eglin ist Agrarökonom und arbeitet seit 26 Jahren für das Internationale Komitee des Roten Kreuz in Afrika. Seit 2015 ist er Delegationsleiter für den Südsudan.© Foto: Privat Jürg Eglin ist Agrarökonom und arbeitet seit 26 Jahren für das Internationale Komitee des Roten Kreuz in Afrika. Seit 2015 ist er Delegationsleiter für den Südsudan.© Foto: Privat

Der Südsudan ist ja vielerorts ein Kriegsgebiet. Erreichen Sie überhaupt alle Notleidenden?

Wir vom IKRK sind weitgehend präsent. Wir haben ein Abkommen mit der Regierung, mit den Rebellen, wir verhandeln täglich, dass wir über Frontlinien hinweg operieren können. Insgesamt ist aber die Beziehung zwischen den Behörden und den Hilfsorganisationen angespannt, die immer wieder Probleme haben, ihre Aktionen umzusetzen. Es gibt Einschränkungen, bürokratische Hindernisse, neue Gesetze oder Steuern. Auch in Sicherheitsfragen muss man unglaublich aufpassen, wie und wo man arbeitet. Das lässt sich aber managen, wenn man das Land kennt, vernetzt ist und mit den richtigen Leuten verhandelt.

Das hört sich aber nicht danach an, als ob die Behörden über die Hilfe erfreut wären . . .

Die Leute, denen wir helfen, sind freilich dankbar. Von den Bürgern des Landes werden wir geschätzt, und das ist auch der Hauptgrund für unsere Bemühungen. Von den Behörden hören wir immer wieder, dass wir die Rebellen unterstützen würden, wenn wir Operationen in ihren Gebieten durchführen. Der Grundsatz unserer humanitären Arbeit ist es aber, Menschenleben zu retten.

Wie sieht diese Hilfe konkret aus?

Wir verteilen täglich Nahrungsmittel. Ein Teil geht über die Straßen, jetzt in der Regenzeit greifen wir aber auch auf Fracht-Flugzeuge zurück. Wichtig sind aber auch Maßnahmen bezüglich Hygiene und Wasser, und ganz allgemein hat das Gesundheitswesen Priorität. In diesem existieren keine Regierungsstrukturen, weswegen hier das IKRK und andere Hilfsorganisationen viel machen.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-09-18 18:09:11
Letzte nderung am 2017-09-18 22:26:43



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