• vom 15.10.2017, 17:17 Uhr

Weltchronik

Update: 16.10.2017, 11:32 Uhr

Madagaskar

Angst vor der Lungenpest




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Von Von Markus Schauta aus Antananarivo

  • Weltweit schwerste Pest-Epidemie seit mehr als 20 Jahren - Krankheit wäre mit Antibiotika rasch und effizient heilbar.

Ein Markt in der Hauptstadt Antananarivo wird vorsorglich desinfiziert.

Ein Markt in der Hauptstadt Antananarivo wird vorsorglich desinfiziert.© afp Ein Markt in der Hauptstadt Antananarivo wird vorsorglich desinfiziert.© afp

Antananarivo. "Die Lungenpest hat zu Panikkäufen geführt", sagt ein Apotheker im Zentrum von Antananarivo. Seine Vorräte an OP-Masken seien aufgebraucht, 2500 Stück habe er verkauft. Er sei nicht auf die große Nachfrage vorbereitet gewesen. "Es ist das erste Mal, dass ich einen Ausbruch von Lungenpest in der Hauptstadt erlebe."

Die diesjährige Pest-Saison begann mit dem Tod eines 31-Jährigen im Bezirk Ankazobe, im Hochland Madagaskars. Am 30. September meldete das Gesundheitsministerium 73 Lungenpest- und 58 Beulenpest-Erkrankungen. 24 der Infizierten überlebten die Krankheit nicht.


Zu den am stärksten betroffenen Gebieten zählen laut WHO die Hafenstadt Toamasina an der Ostküste und die Hauptstadt Antananarivo im Hochland, wo mit Stand 30. September sieben der 27 Erkrankten gestorben sind.

Die Krankheit verbreitet sich über Flohbisse vor allem über die Routen der Mini-Busse, die die Dörfer und Städte des Inselstaates miteinander verbinden. Um die Ausbreitung einzudämmen, werden an den Busbahnhöfen Pestizide versprüht. Auch an Schulen und in Krankenhäusern kommt Flohvernichtungsmittel großflächig zum Einsatz.



Durch Massen-SMS und Plakate, auf denen die Übertragungswege der Pest erklärt werden, versucht die Regierung die Bevölkerung zu sensibilisieren. An den Straßen, die von Toamasina nach Westen und Norden führen, hat die Polizei Checkpoints errichtet, an denen Ärzte bei Reisenden Fieber messen.

Durch einen Flohbiss kann das Pestbakterium Yersinia pestis von einem infizierten Insekt auf den Mensch übertragen werden. Das Bakterium breitet sich dann über die Lymphbahnen aus und vermehrt sich in den Lymphknoten. Die Infektion macht sich zunächst durch grippeähnliche Symptome bemerkbar. Später entzünden sich die Lymphknoten und schwellen zu Beulen an. Die Beulenpest ist nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Erst wenn der Erreger auf die Lunge übergeht, ist eine direkte Übertragung möglich.

Anders als die Beulenpest übergeht die Lungenpest die Lymphknoten als Abwehrzentrum und greift direkt die Lunge an. Diese aggressive Form der Pest kann über Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen werden.

"Kein Grund zur Panik"
Vor dem Institut D’Hygiene Sociale in Antananarivo warten diejenigen, die Symptome der Krankheit an sich zu erkennen glauben: Kopfschmerzen in Verbindung mit Fieber, angeschwollene Lymphknoten oder (blutiger) Auswurf und Atembeschwerden.

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Dokument erstellt am 2017-10-15 17:21:09
Letzte Änderung am 2017-10-16 11:32:22


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