• vom 14.11.2017, 18:02 Uhr

Weltchronik

Update: 15.11.2017, 10:57 Uhr

Kanada

Ein Eis-Highway ins Rohstoff-Dorado




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Von WZ-Korrespondent Jörg Michel

  • Kanada erschließt die öl- und gasreichen Gebiete im äußersten Norden besser.

Bisher war im Winter in Inuvik Schluss. Dank der neuen Straße kann man nun ganzjährig zum kanadischen Eismeer fahren. - © reuters

Bisher war im Winter in Inuvik Schluss. Dank der neuen Straße kann man nun ganzjährig zum kanadischen Eismeer fahren. © reuters

Ottawa. Tuktoyaktuk ist eine kleine Gemeinde im hohen Norden von Kanada direkt am Arktischen Ozean. Die rund 900 Bewohner leben hauptsächlich vom Fischfang, der Jagd und dem Pelzhandel und ihr Leben ist hart. Die Temperaturen fallen im Winter auf bis zu minus vierzig Grad, die Entfernungen sind groß, ebenso das Gefühl der Isolation.

Doch nun bricht in Tuktoyaktuk eine neue Zeitrechnung an. Denn am Mittwoch wird in Kanada nach über 40 Jahren Planung eine neue Straße eröffnet, die das einsame Örtchen in der Arktis erstmals zu jeder Jahreszeit mit dem Süden des Landes verbindet. Der neue Highway ist die nördlichste Straße Kanadas und die erste Allwetter-Straße, die direkt an das Eismeer führt. "Der neue Highway ist das Beste, was mir in meinem Leben widerfahren ist", meint Darrel Nasoyaluak, der Bürgermeister von Tuktoyaktuk. Wie viele Anwohner hofft er auf einen wirtschaftlichen Aufschwung, neue Jobs und neue Chancen.


Mit der 137 Kilometer langen Strecke, die in Kanada "Road to Resources" (Straße zu den Rohstoffen) genannt wird, will die Regierung in Ottawa aber nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung in Orten wie Tuktoyaktuk fördern. Es geht vor allem auch darum, in der Arktis Präsenz zu zeigen. Denn seit das Polareis wegen der Klimaerwärmung immer schneller schmilzt, ist um die immensen Rohstoffvorräte, die in der Region vermutet werden, ein regelrechter Wettlauf ausgebrochen. So haben große Öl-Firmen wie Imperial Oil oder BP in den Küstengewässern vor Tuktoyaktuk bereits Bohrlizenzen erworben, um nach der Eröffnung des neuen Highways erste Probebohrungen im Eismeer starten zu können.

Doch die Hoffnungen auf eine schnelle Erschließung haben sich bislang nicht erfüllt. Wegen der stark gefallenen Ölpreise lohnen sich die meisten Projekte bisher nicht und die Unternehmen haben ihre Pläne vorerst zurückgestellt. Im letzten Jahr haben die Anrainerstaaten USA und Kanada zudem ein fünfjähriges Moratorium zur Ausbeutung der Region vereinbart, wobei nicht klar ist, ob auch die jetzige US-Regierung unter Präsident Donald Trump daran festhalten will. Auch eine geplante Pipeline für Erdgas kommt bislang nicht zustande.

Tourismus als Zukunftsbranche
Profitieren dürfte dagegen der Tourismus, der bisher in den Kinderschuhen steckt. Die Region ist bei abenteuerlustigen Besuchern aus Europa beliebt, die mit Geländewagen oder Wohnmobilen den legendären Dempster-Highway entlangfahren und dabei bisher nicht über Inuvik hinauskamen. Nun können sie erstmals ohne Flugzeug ans Eismeer gelangen. Die Behörden rechnen damit, dass im Sommer zwischen 60 und 180 Fahrzeuge pro Tag diese neue Möglichkeit nutzen.

In Tuktoyaktuk wird derzeit ein neuer Campingplatz mit Stellplätzen für Wohnmobile gebaut, auch ein Bed & Breakfast hat mittlerweile eröffnet. Viele Gebäude wurden diesen Sommer neu gestrichen und für etwaige Besucher herausgeputzt.

Schließlich erhoffen sich die Bewohner von Tuktoyaktuk Erleichterungen bei der Lebenshaltung. Wegen der hohen Kosten für Luftfracht waren die Preise für Alltagsgüter zum Teil exorbitant, in vielen Fällen doppelt so hoch wie im Rest des Landes. Eine Studie kommt nun dem Schluss, dass jeder Einwohner mit einer Entlastung von rund 1500 Dollar im Jahr rechnen kann.




Schlagwörter

Kanada, Rohstoffe, Winter, Eismeer

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-11-14 18:05:05
Letzte Änderung am 2017-11-15 10:57:16



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