• vom 21.11.2017, 17:35 Uhr

Weltchronik

Update: 21.11.2017, 21:34 Uhr

Interview

Katastrophenhilfe auf Augenhöhe




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Von Mathias Ziegler

  • Rotkreuz-Mitarbeiter und "Humanitarian Hero" Michael Kühnel über den Umgang mit jenen, denen er bei seinen Auslandseinsätzen hilft.



Rotkreuz-Helfer Michael Kühnel bei der Ausbildung afrikanischer Ebola-Bekämpfer.

Rotkreuz-Helfer Michael Kühnel bei der Ausbildung afrikanischer Ebola-Bekämpfer.© IFRC/Katherine Mueller Rotkreuz-Helfer Michael Kühnel bei der Ausbildung afrikanischer Ebola-Bekämpfer.© IFRC/Katherine Mueller

Wien. Michael Kühnel ist ein Held der Menschlichkeit: Der 42-jährige Wiener Hausarzt und Tropenmediziner wurde vergangene Woche von der internationalen Plattform AidEx mit dem "Humanitarian Hero Award 2017" ausgezeichnet. Nominiert hatte ihn das Rote Kreuz, für das er seit 1999 ehrenamtlich als Katastrophenhelfer, Rettungsarzt und Lehrer tätig ist: 2005 war Kühnel nach dem Tsunami in Banda Aceh (Indonesien), 2011 und 2013 half er nach dem schweren Beben auf Haiti, 2014 war er der einzige österreichische Arzt im Ebola-Gebiet in Sierra Leone und Liberia, 2016 besuchte er Flüchtlingslager in Griechenland und war auch im Mittelmeer als Seenotretter aktiv. Im Interview schildert er das Verhältnis zwischen westlichen Helfern und der lokalen Bevölkerung in Katastrophengebieten.

"Wiener Zeitung": Nach einer Katastrophe in der Dritten Welt kommen westliche Helfer in Horden, bauen - oft nebeneinander her - nach eigenem Gutdünken mit ihrem Know-how die Infrastruktur wieder auf, verschwinden dann wieder und überlassen die Betroffenen ihrem Schicksal. Wie stark überzeichnet ist dieses Bild?

Michael Kühnel: Es gab sicher auch Zeiten, in denen es genauso war. Da sind die Helfer hingekommen nach dem Motto: "Ich kann das, ich mach das, ich zeig euch, wie das geht, und dann geh ich wieder." Das kann aber natürlich nicht funktionieren. Mittlerweile ist es ein integrativer Zugang. Wir arbeiten grundsätzlich immer mit dem lokalen Roten Kreuz zusammen, das ja aus ehrenamtlichen einheimischen Helfern besteht. Das sind Lehrer, Priester, Mechaniker, was auch immer. Sie kennen das System, das wir natürlich schon zu verbessern versuchen. Und zwar nicht nur, indem wir unsere Standards hineinbringen. Das allein wäre ja auch sinnlos. Die modernsten Anlagen bringen nichts, wenn es niemanden gibt, der sie nachher bedienen kann. Wir lernen auch vieles von den Leuten vor Ort.

"Wir arbeiten mit den Einheimischen gemeinsam im Team und markieren nicht die Macher", betont Michael Kühnel.

"Wir arbeiten mit den Einheimischen gemeinsam im Team und markieren nicht die Macher", betont Michael Kühnel.© Rotes Kreuz "Wir arbeiten mit den Einheimischen gemeinsam im Team und markieren nicht die Macher", betont Michael Kühnel.© Rotes Kreuz

Zum Beispiel?

Wenn man etwa Latrinen in verschiedenen Teilen der Welt baut, geht es nicht nur darum, dass die Leute verschiedene Arten haben, sie zu benutzen. Da spielt zum Beispiel auch das Klima eine Rolle: Plastikteile können noch so praktisch und leicht zu reinigen sein - bei extremer Hitze schmelzen sie irgendwann weg. Da muss man sich an der Vorgehensweise der örtlichen Bevölkerung orientieren und daran, was überhaupt vorhanden ist. Wir kaufen vornehmlich auf dem lokalen Markt, damit es auch akzeptiert wird.

Wir kommen und unterstützen schon durch unser Know-how, und das ist auch wichtig, dass ein Wissenstransfer zur lokalen Bevölkerung stattfindet. Allein wenn jemand im Lebenslauf stehen hat, dass er beim Roten Kreuz oder einer anderen Hilfsorganisation mitgearbeitet hat, hilft ihm das dort später beruflich. Ein Zertifikat, dass er ein halbes Jahr bei einer Mission Übersetzer war, ist da sehr viel wert und erhöht die Aufstiegschancen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-11-21 17:38:11
Letzte Änderung am 2017-11-21 21:34:05


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