• vom 14.03.2018, 14:19 Uhr

Weltchronik

Update: 14.03.2018, 14:35 Uhr

Stephen Hawking

Altruistische Hi-Tech




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  • Die Technologie, die Stephen Hawking half, steht heute allen zur Verfügung.

(maz) Ob in Interviews, bei Vorträgen oder in TV-Dialogen mit Homer Simpson, Lieutenant Commander Data und Sheldon Cooper: Wenn die Stimme des nun 76-jährig verstorbenen Stephen Hawking zu hören war, handelte es sich dabei ab 1985 nicht mehr um seine eigene. Damals holte sich der Physiker im Teilchenforschungszentrum Cern bei Genf eine schwere Lungenentzündung. Hawking, bei dem bereits 1963 die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) diagnostiziert worden war (ab 1968 saß er im Rollstuhl), konnte in der Folge nicht mehr sprechen.

Die Verständigung erfolgte zunächst analog: Wurde auf einer Tafel auf den richtigen Buchstaben gedeutet, hob Hawking eine Augenbraue. Später bekam er einen Computer mit Sprachgenerator, den er mittels Handtaster bediente: Er wählte Begriffe aus einer Liste auf dem Bildschirm aus und schaffte dabei bis zu 15 Wörter pro Minute.


Smarter Rollstuhl und Sprachsoftware für alle
Doch sein Körper versagte mehr und mehr. Ab 2008 registrierte ein Infrarotsensor in seiner Brille, ob Hawking seinen rechten Wangenmuskel anspannte, und löste den Schalter im Sprachcomputer aus. 2014 folgte kurz vor Hawkings 73. Geburtstag eine weitere Modifikation: Der Computerkonzern Intel hatte drei Jahre lang gemeinsam mit dem Start-up SwiftKey eine neue Software entwickelt, die die gewünschten Wörter erriet und das Schreibtempo wieder erhöhte. (Um diesen Artikel bis hierher zu schreiben, hätte er etwa zwölf Minuten gebraucht.)

Die bahnbrechende Software, für die auch Hawkings Arbeiten analysiert wurden, ist noch effektiver als die automatische Rechtschreibkorrektur und Worterkennung moderner Smartphones. Der Cursor auf dem Bildschirm lief permanent über Buchstaben, Zahlen, Wortvorschläge oder Links zu Anwendungen, die Hawking mittels Wangenzucken (später mittels Augenbewegungen) auswählte. Das Angebot veränderte sich mit jeder Auswahl. Im Schnitt musste er nur noch ein Fünftel der Buchstaben auswählen, um vollständige Wörter zu bilden.

Das System war auf Hawking zugeschnitten, doch er wollte, dass sein Prototyp auch anderen Menschen mit ähnlichen Behinderungen helfen sollte. "Wenn die Medizin nicht mehr helfen kann, muss es die Technik tun", erklärte er. "Die neue Software hat dabei die bisher bekannten Grenzen des Machbaren eingerissen." Mit Intel präsentierte er 2014 auch einen vernetzten Rollstuhl, der seinen Gesundheitszustand (Herzschlag, Blutdruck, Körpertemperatur) überwachte, sich auch via Tablet steuern ließ und die Barrierefreiheit der Umgebung anzeigte.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-14 14:23:46
Letzte Änderung am 2018-03-14 14:35:44



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