• vom 19.04.2018, 06:55 Uhr

Weltchronik


Jerusalem

Eine einzigartige Schule für Juden und Muslime




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Von Alexander Dworzak

  • In Jerusalem soll die einzige Schule der Welt, in der in Hebräisch und Arabisch vom Kindergarten bis zur Matura unterrichtet wird, erweitert werden. Für den Bau werden noch Spenden benötigt.

Jerusalem/Wien. Rund ein Fünftel der Bürger Israels sind Araber. Das Schulsystem im Land ist jedoch aufgrund kultureller und sprachlicher Grenzen geteilt: Entweder findet der Unterricht auf Hebräisch statt und stellt jüdische Geschichte und Kultur in den Mittelpunkt, oder es wird auf Arabisch unterrichtet und reflektiert die arabische Lebenserfahrung. Entsprechend nachteilig ist das Bild vom jeweils anderen.

Dieses Problem schlägt sich insbesondere in Jerusalem nieder - das sowohl Juden als auch Muslimen heilig ist und wo fast 36 Prozent der Bewohner Muslime sind. Dort gibt es lediglich eine einzige Schule, in der Kinder sowohl in Hebräisch als auch Arabisch vom Kindergarten bis zur Matura unterrichtet werden. Das Modell der "Hand-in-Hand-Schule" ist sogar weltweit einzigartig.


Begonnen hatte die Einrichtung 1998 mit 25 Kindergartenkindern. Mittlerweile sind es 684 Schüler, hunderte weitere stehen auf der Warteliste. Für ein neues Gymnasialgebäude macht sich die Jerusalem Foundation stark. Gegründet wurde diese von Teddy Kollek, der mehr als ein Vierteljahrhundert Bürgermeister der Stadt war, von 1965 bis 1993.

Klischees abbauen
Als zentrales Ziel der Schule sieht die Stiftung die dauerhafte Interaktion zwischen Juden und Arabern, um "Klischeevorstellungen ab- und eine gemeinsame Grundlage aufzubauen". Religiöse Feste werden nicht ausgeklammert, sie sind in den Schulalltag eingebunden. Im neuen Gebäude soll es nicht nur reguläre Klassenzimmer geben, sondern auch einen Trakt mit zwei Laboratorien und einen Dachgarten, der von den Schülern bepflanzt wird.

Für die Erweiterung warb Irène Pollak, Leiterin der Abteilung für deutschsprachige Länder in der Jerusalem Foundation, in der vergangenen Woche in Wien. Die Baukosten in Höhe von umgerechnet 9,2 Millionen Euro sollen vom israelischen Bildungsministerium und von Spendern kommen; Pollak benötigt noch rund 1,8 Millionen Euro an privaten Mitteln.

Die"Hand-in-Hand-Schule" ist nur eines von mehr als 4000 Projekten, welche die überparteiliche Jerusalem Foundation in den vergangenen 50 Jahren unterstützt hat. Von 1918 bis 1934 lebte der 2007 verstorbene Teddy Kollek in Wien. Und so weisen mehrere Initiativen Österreich-Bezug auf. Etwa wurde das Jerusalemer Lehrerfortbildungsinstitut mithilfe der Stadt Wien renoviert; 8000 hebräisch- und arabischsprachige Lehrer bilden sich hier weiter.

Abseits der Bildungsinitiativen unterstützt die Stiftung unter anderem benachteiligte Bevölkerungsgruppen Jerusalems. "Man muss den Menschen das Gefühl geben, stolz zu sein. Das ist der Schlüssel zu einer pluralistischen Gesellschaft", sagte Kollek.

Wie dringend das notwendig ist, zeigt ein Blick auf die Statistik: 79 Prozent der arabischen Familien Jerusalems leben unterhalb der Armutsgrenze, die bei 50 Prozent des Medianeinkommens liegt, das ergab eine Analyse des Jerusalem Institute for Policy Research. Unter den jüdischen Familien Jerusalems sind es 23 Prozent, Ultraorthodoxe bilden hier den Großteil der verarmten Personen. Sowohl bei jüdischen als auch muslimischen Bürgern Jerusalems ist die Armut deutlich größer als im israelischen Durchschnitt.

Weitere Projekte der Jerusalem Foundation finden Sie unter:

http://www.jerusalemfoundation.org




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Dokument erstellt am 2018-04-18 18:00:15


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