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Weltchronik

Update: 30.04.2018, 14:12 Uhr

Bangladesh

Die Roboter kommen




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Von Daniela Schröder

  • In Bangladesch kämpften die Textilarbeiterinnen lange nur mit niedrigen Löhnen und gefährlichen Gebäuden.
  • Nun bricht das Zeitalter der Automatisierung im Bekleidungssektor heran. Millionen von Jobs sind in Gefahr.

Lange galten geschickte Hände als unschlagbar - doch auch der Bekleidungssektor wird zunehmend von Maschinen übernommen. - © reu/Biraj

Lange galten geschickte Hände als unschlagbar - doch auch der Bekleidungssektor wird zunehmend von Maschinen übernommen. © reu/Biraj

Dhaka. Auf den Plastikhüllen über den Nähmaschinen liegt eine feine Staubschicht, "out of work" steht auf Zetteln, die an einigen kleben, eine Fabrikhalle voll eingemotteter Geräte. Zwei Stockwerke darunter summen Nähmaschinen so groß wie Kleinstwagen, hier und da stehen ein, zwei Männer daneben und beobachten wie die Maschinen aus blauen Stoffteilen Pullover nähen. Manchmal tippt ein Arbeiter auf dem Monitor einer Maschine oder öffnet sie, um einen Nähkopf zu reinigen. Mehr gibt es für Menschen nicht zu tun.

Bei Knitstar in Bhabaripur, eine von neun Fabriken des Kleidungsherstellers Mohammadi Group nahe Bangladeschs Hauptstadt Dhaka, ist die Zukunft der Textilindustrie schon heute Realität. Vor einigen Jahren noch saßen hier hunderte Angestellte, vor allem Frauen, an den Nähmaschinen, das Fertigen eines leichten Baumwollpullovers dauerte viele Stunden und beschäftigte viele Menschen. Mohammadi fertigt für Marken wie H&M, Zara, Esprit, S’Oliver, Only.


2012 begannen die Firmenchefs, die Produktion Schritt für Schritt zu automatisieren. Heute erledigen bei Knitstar 75 Hightech-Strickmaschinen die Arbeit von 600 Handnähmaschinen, zwei Dutzend Arbeiter mit Computer-Know-how ersetzen 600 Arbeiter mit geschickten Händen und guten Augen.

"Wir werden bald 1000 Mitarbeiter entlassen"
Rubana Huq ist die Geschäftsführerin der Mohammadi Group, von ihren 12.000 Mitarbeitern arbeiten 11.000 in der Produktion. "In den automatisierten Fabriken werden wir bald 1000 Mitarbeiter entlassen müssen", sagt Huq, sie sitzt an ihrem Schreibtisch in der Zentrale in Dhaka, entlang der Wände ihres Büros stehen Kleiderständer mit Blusen, Hemden, Kindersachen, die neue Kollektion der Kunden. "Bisher haben wir unsere Leute dort untergebracht wo wir noch auf Handarbeit setzen. Aber das wird nicht mehr lange funktionieren. Wir müssen automatisieren und wir müssen es jetzt tun, nur so können wir uns am Markt behaupten."

Huqs Unternehmen ist ein Beispiel für die Richtung, in der sich der Textilsektor in Asien entwickelt. Während in Branchen wie der Automobil und Elektro schon seit langem Roboter erledigen, was früher der Job niedrig qualifizierter Arbeiter war, schien die Bekleidungsindustrie gegen die Hightech-Fertigung immun. Stoffe sauber verarbeiten, das ist schwierig, bisher galten geschickte Hände als unschlagbar. Und in Bangladesch, Kambodscha, Vietnam gibt es sehr viele Menschen, die für sehr wenig Geld arbeiten. Doch auch in Entwicklungsländern steigen die Löhne. Und die Technik ist mittlerweile so weit, dass Maschinen und Roboter selbst Kompliziertes wie Hemdkragen und Gürtelschlaufen perfekt nähen. Das Automatisieren und Digitalisieren der Bekleidungsindustrie bedeutet für die Entwicklungsstaaten daher massive Probleme, warnen Experten. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) sieht in Ländern wie Kambodscha und Vietnam mehr als 80 Prozent der Jobs im Mode- und Schuhsektor in Gefahr, insgesamt neun Millionen Menschen in Südostasien könnten ihre Arbeit verlieren.

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Dokument erstellt am 2018-04-27 17:00:28
Letzte Änderung am 2018-04-30 14:12:31



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