• vom 16.05.2018, 18:32 Uhr

Weltchronik

Update: 17.05.2018, 18:11 Uhr

Meghan Markle

"King Edward dreht sich im Grab um"




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Markle machte sich Namen
als Wohltäterin

Die Hochzeit zeigt auch den Wertewandel auf, den die sehr traditionsbewusste britische Gesellschaft durchlaufen hat. Denn vor 80 Jahren heiratete schon einmal eine geschiedene US-Bürgerin wie Markle in die Königsfamilie ein - und löste damals noch ein mittleres Erdbeben aus: Wallis Simpson galt im Jahr 1936 als Bedrohung für die Krone und die ganze Nation. King Edward VIII. musste abdanken, weil er Wallis Simpson ehelichte. Markle dagegen wird heute von der ganzen Nation mit offenen Armen empfangen.

"Hören Sie genau hin, wenn der Chor singt und Meghan Markle den Gang hinunter schreitet", witzelt Königshaus-Experte Andrew Morton. Vermutlich sei zu hören, wie sich König Edward "im Grab umdreht". Morton verfasste eine Simpson-Biographie und in diesem Jahr auch eine über Markle. Pointiert vergleicht er die zweifach geschiedene Partylöwin aus Baltimore mit dem TV-Star aus Los Angeles, deren Mutter Afroamerikanerin ist: "Wallis Familie waren Sklavenbesitzer - und nicht selbst Sklaven."

Die 36-jährige Markle hat sich mit wohltätigem Engagement bereits einen Namen gemacht, vor allem als Frauenbotschafterin bei den Vereinten Nationen. "Sie hätte Diplomatin sein können, Politikerin, Anwältin", sagt Morton. "Meghan ist durchaus bereit für die königliche Familie: Sie hat sich bewährt."

Wallis Simpson galt damals hingegen in politischer, religiöser, sozialer und moralischer Hinsicht als inakzeptabel. Edward dankte ab und das Paar heiratete 1937 in einem französischen Schloss. Ihr viel beachteter Besuch bei Adolf Hitler in Deutschland im gleichen Jahr sorgte für Spekulationen, sie würden mit den Nazis sympathisieren. Bei Paris lebten sie im Exil mit wohlhabenden Freunden, Kontakt und Reisen nach Großbritannien waren selten.

Dass Edward sein persönliches Glück vor das seines Landes stellte, galt als egoistische, unverantwortliche Pflichtverletzung. Sein Nachfolger und Bruder König George VI. stellte den Dienst am Volk über alles, wie auch seine nun 92-jährige Tochter, Königin Elizabeth II.

Kondombox, aus der die Nationalhymne erklingt

Jedenfalls lässt das königliche Event gehörig die Kassen klingeln: Unermüdlich werden Andenken produziert. T-Shirts mit den Verliebten aufgedruckt, lebensgroß in Karton, Lesezeichen, Geschirrhandtücher, Spezialbier oder eine Kondombox zur Hochzeit, aus der beim Öffnen die Nationalhymne erklingt. Das britische Forschungszentrum für den Einzelhandel (Centre for Retail Research) rechnet damit, dass Hochzeitsandenken im Wert von 30 Millionen Pfund (etwa 35 Millionen Euro) verkauft werden, auch ins Ausland.

Sogar ein helles Bier ist eigens für die Hochzeit gebraut worden. Die Gerste stammt aus Windsor, der Hopfen kommt aus Meghans Heimat, also von der US-amerikanischen Westküste. Das Bier namens "Windsor Knot" (Windsor-Knoten) symbolisiere die Verknüpfung zwischen Harry und Meghan, so der stolze Geschäftsführer der Brauerei in Windsor, Will Calvert.


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-16 18:21:52
Letzte Änderung am 2018-05-17 18:11:21


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