• vom 11.06.2018, 17:55 Uhr

Weltchronik

Update: 11.06.2018, 20:37 Uhr

Irak

Die Kultur der Gewalt




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Von WZ-Korrespondentin Birgit Svensson

  • Der Fall Susanna in Deutschland - ein Beispiel einer tragischen Eskalation eines Konfliktes. Und dieser wird im Irak vornehmlich mit Gewalt gelöst.

Krieg, Terror, Zerstörung: Im Irak gibt es kaum Erfahrungen mit friedlicher Konfliktlösung. - © reuters

Krieg, Terror, Zerstörung: Im Irak gibt es kaum Erfahrungen mit friedlicher Konfliktlösung. © reuters

Bagdad. In diesem Fall ging es sehr schnell. Schon kurz nach Bekanntwerden des Fotos von Ali B. saß der 20-jährige Iraker auch schon im Flugzeug zurück nach Deutschland. Zuvor war er mit seiner achtköpfigen Familie unter falschem Namen nach Erbil in den Nordirak geflogen und dann weiter nach Zakho an der Grenze zur Türkei gereist, wo Ali B. herstammt. Nun sitzt er in Untersuchungshaft, hat stundenlang dem Untersuchungsrichter seine Sicht der Tat erzählt und gestanden, die 14-jährige Susanna in Wiesbaden ermordet zu haben. Die Ermittlungen im Fall des getöteten Mädchens konzentrieren sich jetzt auf den Abgleich der Aussagen des Tatverdächtigen und die Vernehmung weiterer Zeugen. Ali B. bestreitet, sie vergewaltigt zu haben. Das Ergebnis der DNA-Untersuchung steht noch aus. Indes ist der Mord an Susanna längst zum Politikum geworden. Im Jahr drei der Flüchtlingskrise scheint der Riss durch Deutschland immer größer zu werden.

Anders liegt der Fall Fallah S., der mutmaßlich seine Frau Saskia und seine beiden Kinder Samara (8) und Ismael (4) in Neuss getötet haben soll. Der Fall liegt sechs Jahre zurück, eine Flüchtlingskrise war damals noch nicht in Sicht, die Terrormiliz IS auch nicht. Seitdem hat sich viel geändert, vor allem die Einstellung gegenüber den Schutzsuchenden aus dem Irak, Syrien und Afghanistan in Europa. So ist es zu erklären, dass der dreifache Mord des Irakers an seiner deutschen Frau und seinen beiden Kindern kaum mediale Beachtung fand. Fallah soll jetzt in der Küche eines Hotels in der Nähe seiner nord-irakischen Heimatstadt Kirkuk arbeiten. Am Nachmittag des 20. August 2012 hatte der damals 35-jährige Iraker nach Überzeugung der Behörden in einer Wohnung an der Kaarster Straße Frau und Kinder mit einer Pistole erschossen und sich unmittelbar danach über die Türkei in Richtung seiner irakischen Heimatstadt Kirkuk abgesetzt.


Ein Verwandter hatte ihn am Nachmittag in ein Reisebüro begleitet, wo er unter seinem Geburtsnamen Omar ein Ticket buchte. Die Behörden vermuten deshalb, dass er mit seinem irakischen Pass reiste. Fast in der gleichen Minute, als sein Flugzeug in Düsseldorf mit Ziel Istanbul abhob, wurde die Tat an der Kaarster Straße entdeckt. Doch Fallah alias Omar bleibt auf freiem Fuß. Man habe keine Handhabe in jenem Teil Iraks, so die Staatsanwaltschaft Düsseldorf, der internationale Haftbefehl bestehe aber fort.

Die beiden Taten scheinen auf den ersten Blick unterschiedlich, und doch haben sie einiges gemeinsam: In beiden Fällen hat sich der Täter unter anderem Namen in sein Heimatland abgesetzt, beide Male gab es Streit zwischen Mann und Frau, und in beiden Fällen endete dieser tödlich. Was am meisten schockiert, ist die Brutalität, mit der diese Konflikte ausgetragen wurden.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-11 18:01:21
Letzte Änderung am 2018-06-11 20:37:19


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