• vom 14.06.2018, 18:11 Uhr

Weltchronik

Update: 15.06.2018, 12:26 Uhr

Interview

"Möchte erinnern, dass die USA ein guter Freund sein können"




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Von Alexander U. Mathé

  • Der neue US-Botschafter in Wien, Trevor D. Traina, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".



Der Marshallplan hat Österreich nach dem Krieg vor 70 Jahren wieder auf die Beine geholfen. Gelder in der Höhe von 133 Dollar für jeden Österreicher wurden damals ausgeschüttet. Was viele nicht wissen: Unter dem Namen ERP (European Recovery Program = Europäisches Wiederaufbau-Programm)wird bis heute aus diesen Geldern die österreichische Wirtschaft gefördert. Denn das aus dem Marshallplan verbliebene Geld wurde 1962 der österreichischen Regierung übergeben. Die investierte es in den ERP-Fonds, der sich heute auf etwa drei Milliarden Euro beläuft und dazu verwendet wird, quer durch Österreich in innovative Projekte von Tourismus bis Hightech zu investieren. "Über das Austria Wirtschaftsservice werden jährlich ERP-Kredite in Höhe von 500 bis 600 Millionen Euro ausbezahlt", sagte US-Botschafter Trevor D. Traina am Donnerstag bei einer Preisverleihung zum Thema Marshallplan in Wien. Schülerinnen und Schüler aus ganz Österreich hatten in Kurzfilmen Geschichte und Auswirkungen des Hilfsprojekts gezeigt. Sieger wurde ds Bundesrealgymnasium Körösistraße in Graz. Die "Wiener Zeitung" sprach mit Botschafter Traina über den Marshallplan und über die Beziehung des Spitzendiplomaten zu Wien.

Wiener Zeitung: Ihr Großvater war bereits US-Botschafter in Wien. Haben Sie jemals mit ihm über den Marshallplan gesprochen?



Trevor Traina: Oh ja. Ich war in den 1970er Jahren bei meinem Großvater in Wien. Da stand in Österreich alles zum besten. Mein Großvater hat mir aber erklärt, dass das nicht immer so war und wie der Marshallplan dabei geholfen hat, dass es so weit kam. Er hat mir gesagt, dass die Kombination aus amerikanischem Geld und österreichischer Intelligenz sowie Arbeitseifer hervorragend funktioniert.

Der Vater des kanadischen Sängers Bryan Adams war auch Diplomat in Wien. Er hat erklärt, dass seine stärkste Erinnerung an Österreich ist, dass alles nach Sauerkraut gerochen hat. Was hat sich Ihnen eingeprägt?

Also ich habe nicht solche Erinnerungen. Ich kann mich an die schönen Gebäude und an den Tiergarten in Schönbrunn gut erinnern. Auch die österreichische Landschaft, die Seen und ein Besuch in Salzburg haben sich mir eingeprägt. Wobei, apropos Sauerkraut: Meine Großmutter war eine große Liebhaberin österreichischer Würstel – auch in Kombination mit Sauerkraut. Den dazugehörigen österreichischen Senf hat sie ebenfalls geschätzt.

Wie ist es, in dem Haus zu leben, in dem schon der Großvater gewirkt hat?

Ich erinnere mich noch gut und habe jetzt dort Sachen stehen, die schon mein Großvater dort stehen hatte. Etwa ein Bierhumpen, den Konrad Adenauer ihm geschenkt hat und auch ein Jadeelefant, den Präsident Richard Nixon ihm aus China mitgebracht hat. Es ist schon etwas Besonderes. Das muss man sich einmal vorstellen: In meinem Haus haben sich US-Präsident John F. Kennedy und der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow zu Gesprächen während des Kalten Krieges getroffen.

Was ist für Sie Ihre Hauptaufgabe in Österreich?

Einerseits möchte ich Österreich daran erinnern, dass die USA ein guter Freund sein können. Andererseits möchte ich mich der österreichischen Kultur widmen – aber auch die amerikanische Kultur Österreich näherbringen. Ich habe bereits eine Ausstellung kalifornischer Kunst hier geplant. Persönlich möchte ich auf so vielen Bergen wie möglich Ski fahren.

Fährt die ganze Familie Ski?

Meine Tochter und mein Sohn, die neun und elf Jahre alt sind, fahren beide Ski. Sie sind noch in den USA, werden aber bald nachkommen. Meine Frau fährt nicht Ski, aber es ist ja auch schön, wenn da jemand ist, der einen nach der Piste empfängt.

Sie sind als Liebhaber österreichischen Weins bekannt und sind selbst Besitzer eines Weinguts in Kalifornien . . .

Ich sage immer: Gott liebt uns. Die Österreicher haben den besten Weißwein und die Kalifornier den besten Roten. Das verbindet.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-14 18:16:28
Letzte Änderung am 2018-06-15 12:26:30


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