• vom 19.06.2018, 20:28 Uhr

Weltchronik

Update: 22.06.2018, 14:19 Uhr

Flucht

Zurück nach Afrika




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Von WZ-Korrespondent Julius-Müller-Meiningen

  • Hunderttausende afrikanische Immigranten wollen nach Europa. Karounga Camara ging den entgegengesetzten Weg.

Karounga Camara schrieb über seinen Weg zurück nach Afrika ein Buch.

Karounga Camara schrieb über seinen Weg zurück nach Afrika ein Buch.© privat Karounga Camara schrieb über seinen Weg zurück nach Afrika ein Buch.© privat

Rom. Die Wende im Leben von Karounga Camara begann in der Mailänder U-Bahn. Camara fuhr zur Arbeit, er war damals Nachtwächter in einem Studentenwohnheim. Ein Italiener sprach ihn an, die beiden kamen ins Gespräch. Der Satz des Mannes, der in Camaras Kopf hängen geblieben ist, lautete: "Passen Sie auf, dass Sie nicht auch in Ihrer Heimat zum Einwanderer werden." Die Worte, die nicht unfreundlich gemeint waren, ließen Camara nicht mehr los. Sie waren der Anstoß für die Rückkehr in den Senegal.

Es sind keine einfachen Zeiten für Einwanderer in Europa, schon gar nicht in Italien. Dort hat gerade eine Regierung ihre Arbeit aufgenommen, die ein gnadenloses Durchgreifen gegen Migranten zu ihrem Markenzeichen machen will. Erst vor wenigen Tagen versagte Innenminister Matteo Salvini einem mit Flüchtlingen vollgestopften Schiff die Landung. Auch Deutschland will Immigranten schon an der Grenze zurückschicken. Das vermeintliche Paradies Europa zeigt sich seit Jahren immer abweisender. Auch diese bittere Einsicht hat Camara zum Nachdenken gebracht.


Lebensentscheidung

Das BIP im Senegal wächst um stolze 7 Prozent.

Das BIP im Senegal wächst um stolze 7 Prozent.© afp/Gobet Das BIP im Senegal wächst um stolze 7 Prozent.© afp/Gobet

Camara hat sich für die Rückkehr entschieden. Es war eine Lebensentscheidung, aber auch eine strategische Überlegung. "Wo ist mein Platz in der Welt?", fragte sich der Senegalese. Im reichen, aber sehr mit sich selbst beschäftigten Europa? Oder im Senegal. Dort ist der Wettlauf ausländischer Investoren wie auf dem gesamten Kontinent in vollem Gange. China, Indien, aber auch europäische Länder und Firmen investieren. Deshalb machte der Satz des Italieners in der U-Bahn solchen Eindruck auf Camara. Ein zweites Mal fremd sein und zu spät kommen, das wollte Camara nicht. Über seine Rückkehr hat er ein Buch geschrieben. "Die Rückkehr wagen", heißt seine Biografie, die gerade auf Italienisch erschienen ist (Celid-Verlag).

Sechs Jahre lebte Camara in Mailand. Seit 2015 ist er zurück in seiner Heimat. "Zurückzukehren ist schwieriger, als aufzubrechen", sagt Camara. Wer es nach Europa geschafft hat, der gilt trotz aller Widrigkeiten in der Heimat als Held und ist eine finanzielle Garantie für die Angehörigen. Wer diesen Status aufgibt, wird schnell als Versager wahrgenommen. "Deshalb ist die Rückkehr ein Wagnis", sagt Camara. Als seine Mutter im Jahr 2011 starb, entschied er endgültig, dass seine Zukunft bei seiner Frau und seinen beiden Kindern im Senegal sein soll. Er ging in sich, versuchte, die Fragen des Lebens zu beantworten, die Fragen nach dem Glücklichsein, nach Zwängen und nach Machbarkeit. Dann entwarf er einen Plan.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-19 17:07:33
Letzte Änderung am 2018-06-22 14:19:35


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