• vom 21.06.2018, 16:06 Uhr

Weltchronik


Religion

Ein Ziel: die Einheit der Christen




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  • Papst Franziskus appellierte beim Ökumenischen Weltkirchenrat in Genf an alle Kirchen, "gemeinsam voranzuschreiten".

Genf. Die 41.000 Gratis-Zählkarten für die Besucher des Gottesdienstes mit Papst Franziskus waren binnen kürzester Zeit vergriffen. Für Unmut sorgte dabei, dass sie nur an Katholiken verteilt worden sein sollen - dabei war der Anlass der Messe am Donnerstagnachmittag im Genfer Kongresszentrum der Besuch des Pontifex beim Ökumenischen Rat der Kirchen, der gerade sein 70-jähriges Bestehen feiert. Und die katholische Kirche (1,3 Milliarden Menschen) ist nicht Mitglied im Weltkirchenrat, dessen fast 350 Kirchen rund eine halbe Milliarde nicht-katholische Christen in mehr als 100 Ländern umfassen.

Sorgen machten den Veranstaltern aber eher die enormen Kosten von umgerechnet 1,9 Millionen Euro (unter anderem für die Sicherheit), die dem Jahresbudget des gastgebenden Bistums Lausanne, Genf und Freiburg entsprechen. Da der Vatikan keine Kosten übernahm, wurden Spenden gesammelt. Sollte die Summe nicht hereinkommen, droht dem Bistum gar der Konkurs.


Zehn Stunden hielt sich Franziskus bei seiner 23. Auslandsreise in Genf auf. Einem privaten Treffen mit dem Schweizer Bundespräsidenten Alain Berset auf dem Flughafen folgten ein ökumenisches Gebet, ein gemeinsames Mittagessen, ein weiteres ökumenisches Treffen und der Groß-Gottesdienst - erstmals in seinem Pontifikat zelebrierte er dabei auf Französisch - als Abschluss.

Beim gemeinsamen Gebet am Vormittag predigte der Papst über die Einheit der Christen, die sein Ziel sei: Der Apostel Paulus lade in seinem Brief an die Galater die Gläubigen ein, "im Geist zu wandeln". Gehen bedeute "Disziplin", "Anstrengung", "Geduld" und "beständige Übung". Man müsse "auf viele Straßen verzichten, um jene zu wählen, die zum Ziel führt", und gegebenenfalls auch kehrtmachen.

Wertschätzung der Ökumene
Wohl mit Blick auf die Schwesterkirchen betonte Franziskus, man dürfe im Unterwegssein "die Sorge um die Weggefährten nicht vernachlässigen, weil man nur gemeinsam gut geht". Die Christen sollten offen für Gott sein, statt sich selbst in Weltlichkeit, Besitz oder Egoismus zu verwirklichen. Andernfalls werde der Mensch "zum Sklaven eines ungebremsten Konsumismus" und gleichgültig gegenüber den Mitmenschen, vor allem den Schwächsten.

Der Weg der Ökumene habe ein festes Ziel: "Der Herr bittet uns um Einheit; die Welt, zerrissen von zu vielen Spaltungen, die vor allem die Schwächsten treffen, ruft nach Einheit." Franziskus warnte dabei vor dem Schutz von Eigeninteressen: Ökumene sei "ein großes Verlustgeschäft". Um der Einheit willen gelte es, eigene Zwecke aufs Spiel zu setzen, "die oft eng an ethnische Zugehörigkeiten oder überkommene Vorstellungen gebunden sind, seien sie mehrheitlich ‚konservativ‘ oder ‚fortschrittlich‘".

Franziskus erfüllte damit ziemlich die Erwartungen. Nach dem jüngsten ökumenischen Dämpfer aus dem Vatikan in Sachen gemeinsame Kommunion für gemischt-konfessionelle Ehepaare hatte kaum jemand mit einer Sensation in Genf gerechnet, sondern es waren vor allem Zeichen der Wertschätzung und Appelle zum tatkräftigen Einsatz der Christen an den Fronten dieser Welt erwartet worden. Genau das war dann auch vom Papst zu hören.

Der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Pastor Olav Fykse Tveit, nannte den dritten Papstbesuch in Genf nach Paul VI. (1969) und Johannes Paul II. (1984) jedenfalls einen "historischen Meilenstein" für die ökumenische Bewegung und den Einsatz der Kirchen für Frieden und Gerechtigkeit. "Die Hauptbotschaft liegt natürlich in all den Bildern und im Ereignis selber", meinte der Lutheraner-Pastor aus Norwegen.




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Dokument erstellt am 2018-06-21 16:13:38


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