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Weltchronik

Update: 02.07.2018, 17:50 Uhr

Enährung

Macht "Superfood" wirklich fit und gesund?




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Von WZ Online, APA, dpa

  • Mythos Superfood: Viele exotische Früchte haben im Vergleich zu heimischem Obst keinen gesundheitlichen Mehrwehrt.

Heidelbeeren sind ein lokales Superfood. - © APAweb / dpa, Mohssen Assanimoghaddam

Heidelbeeren sind ein lokales Superfood. © APAweb / dpa, Mohssen Assanimoghaddam

Die Erwartungen an Früchte wie südamerikanische Acai-Beeren, Granatäpfel und asiatische Gojibeeren sind hoch. Als sogenanntes Superfood sollen sie fit, schlank und gesund machen. "Sie können heilen, Krankheiten vorbeugen und unser Wohlbefinden deutlich steigern", heißt es etwa in der Werbung für ein Buch über "die 50 besten Superfoods".

Seit der Trend vor einigen Jahren aus den USA nach Europa schwappte, liegen mehr und mehr exotische Lebensmittel unter dem Titel Superfood in den Regalen der Einkaufsmärkte. Zahlreiche Köche haben Bücher mit Rezepten für Superfood veröffentlicht. Doch was genau ist Superfood?

Wann gilt ein Lebensmittel als Superfood?

Eine rechtlich bindende Definition, welche Lebensmittel so genannt werden dürfen, gibt es nicht, sagte Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bonn. "Im Allgemeinen werden unter Superfood besonders nährstoffreiche Lebensmittel zusammengefasst, vor allem aus dem Bereich Obst und Gemüse." Demnach ist Superfood oft reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien, die gesundheitsfördernde Wirkungen haben können. Als typische Vertreterinnen nennt Gahl Gojibeeren, Chiasamen, Acai-Beeren und Granatäpfel. "Mehr und mehr kommen aber auch heimische Produkte wie Heidelbeeren, Brennnessel oder Hagebutte hinzu."

Dass bisher vor allem Nahrungsmittel aus weit entfernten Ländern als Superfood gelten, ist aus Sicht der Bremer Verbraucherzentrale kein Zufall. Die Verbindung aus Exotik und Gesundheitswert reize viele Menschen, sagte Regina Aschmann, die Interessierte bei Ernährungsfragen berät. Nötig seien solche Früchte für die Gesundheit allerdings nicht. "Wer sich abwechslungsreich mit gesunden, heimischen Lebensmitteln ernährt, braucht kein exotisches Superfood."

"Vieles ist nicht bewiesen"

Produkte aus anderen Kontinenten bergen Aschmann zufolge einige Gefahren. "Bei exotischen Lebensmitteln ist das Risiko viel größer, dass trotz Bio-Siegel die Vorgaben nicht eingehalten werden." Werbebotschaften über den gesundheitlichen Nutzen - etwa, dass Granatäpfel bei Wechseljahrbeschwerden und Prostatakrebs helfen - seien mit Vorsicht zu genießen. "Es wird das Blaue vom Himmel versprochen und vieles ist nicht bewiesen."

Gahl zufolge kann exotisches Superfood den Speiseplan bereichern, einen gesundheitlichen Mehrwert habe es im Vergleich zu heimischem Obst und Gemüse aber nicht. Der Ernährungswissenschafterin verweist zudem darauf, dass sich die langen Transportwege von exotischen Nahrungsmitteln negativ auf den Nährstoffgehalt und die Klimabilanz auswirken können.

 Lokale Alternativen zum importierten Superfood

Dass Leinsamen eine gute und günstigere Alternative zu Chiasamen sein können, ist vielen ernährungsbewussten Menschen inzwischen bekannt. Die Umsätze des Lebensmitteleinzelhandels und der Drogeriemärkte mit den exotischen Samen und Chia-Produkten sind nach Daten des Marktforschungsinstituts Nielsen von März 2017 bis März 2018 beispielsweise in Deutschland um knapp 17 Prozent zurückgegangen.Die Umsätze mit Leinsamen wuchsen in diesem Zeitraum um etwa 23 Prozent. "Es gibt immer neue Trends", sagte Ulrike Brückner-Christoph, die bei Nielsen eine Analytik-Abteilung leitet. Besonders beliebt seien derzeit Produkte, in denen Stücke, Aroma, Saft oder Pulver der exotischen Superfood-Frucht Granatapfel enthalten sind.

Alternativen gibt es viele. Statt Gojibeeren empfehlen Fachleute Ribisel, statt Acai-Beeren Heidelbeeren oder Weichseln.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-02 13:40:43
Letzte Änderung am 2018-07-02 17:50:19


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