• vom 19.07.2018, 06:00 Uhr

Weltchronik


Sand

Jedes Sandkorn zählt




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Geht der Sand zur Neige?

Das hat Folgen. Denn in manchen Gegenden der Welt geht der Sand zur Neige. Etwa in Singapur. Der asiatische Stadtstaat platzt aus allen Nähten. Er braucht dringend Sand, um neue Bauten für die wachsende Bevölkerung zu schaffen. Höher zu bauen, reicht dabei nicht. Singapur muss sich erweitern, und das geht nur nach dem Meer hin. Der Stadtstaat schüttet deshalb jedes Jahr Unmengen an Sand vor seine Küste, um darauf wieder neue Wolkenkratzer zu errichten. Das Material für die Aufschüttungen muss er aus dem Meer gewinnen. Denn Sand ist nicht gleich Sand. Das musste auch Dubai erfahren. Im arabischen Emirat ist man bekanntlich nicht kleinlich bei der Verwirklichung gigantomanischer Projekte. So hat Dubai nicht nur das höchste Gebäude der Welt errichtet, sondern vor seiner Küste künstliche Inseln in Form einer Palme geschaffen. 12 Milliarden Dollar hat das Projekt gekostet, 150 Millionen Tonnen Sand hat es verschlungen.

Letzteres sollte für das Emirat eigentlich kein Problem sein. Sand gibt es auf der arabischen Halbinsel ja in Hülle und Fülle. Und tatsächlich hat man zu Beginn versucht, die Inseln mit Wüstensand zu bauen. Allein: Es wollte nicht klappen. "Wüstensand wird so lange vom Wind rund geschliffen, dass er fast eine gleichmäßige Kornstruktur hat. Ihm fehlen die feinen und die groben Teile. Er ist so rund, dass er für den Baubereich nur marginal verwendbar ist", sagt Robert Wasserbacher, der Geschäftsführer des Forums mineralischer Rohstoffe, der "Wiener Zeitung".

Für einen kompakten Beton, der sich zum Bauen eignet, brauche man unterschiedliche Korngrößen und -arten. Und für Aufschüttungen wie in Dubai und Singapur Sand, der dem Wellengang standhält.

Die Insel aus Wüstensand rieselte jedenfalls bald ins Meer. Seinen Bausand importiert Dubai heute aus Australien. Findige Unternehmer machen dort mit den unscheinbaren Körnern gute Geschäfte.

Die Sand-Sauger

Der Sand, den Dubai und Singapur brauchen, der findet sich im Meer. Schiffe mit riesigen Saugarmen saugen ihn vom Meeresboden ab. Das verändert das Ökosystem im Meer. Er findet sich auch am Strand. Manche Strände sind bereits leer geplündert. In Indien etwa hat sich eine regelrechte "Sand-Mafia" herausgebildet, die Strände und Meere abgraben lässt. Sie soll die größte kriminelle Organisation des Landes sein. Auch Vijay in Mumbai arbeitet für einen "Sandlord". Solche Leute gibt es in jedem Verwaltungsgebiet. Es sind meist Lokalpolitiker. Von ihnen müssen Unternehmer den Sand abnehmen, wenn sie in einem bestimmten Gebiet bauen wollen. Der "Sandlord" fälscht Lizenzen und regelt den Umgang mit den Behörden. Er heuert auch Banden an, die Kritiker bedrängen und, wenn nötig, ausschalten. Morddrohungen und Attentate sind keine Seltenheit. In den Kriegen der indischen Sand-Mafia sollen schon hunderte Menschen ihr Leben verloren haben.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-18 15:32:04
Letzte Änderung am 2018-07-18 20:06:58


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