• vom 26.07.2018, 16:05 Uhr

Weltchronik

Update: 27.07.2018, 14:44 Uhr

Syrien

Daraa - Anfang und Ende der syrischen Katastrophe




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Von WZ-Korrespondentin Birgit Svensson

  • Im Traumakindergarten für syrische Flüchtlinge in Jordanien geht die Angst vor der Rückkehr in die Heimat um.

Hilfe für traumatisierte Kinder im jordanischen Mafraq. - © Vision Hope

Hilfe für traumatisierte Kinder im jordanischen Mafraq. © Vision Hope

Amman. Am 15. März 2011 hatte alles harmlos mit einem Kinderstreich begonnen: "Das Volk will den Sturz des Regimes", sprühten 15 Teenager im südsyrischen Daraa als Graffiti an die Wand. Eine Protestbewegung wegen der Verhaftung der Jugendlichen wurde brutal niedergeschlagen. Aus den Demonstrationen entstand ein Bürgerkrieg, der schließlich zu einem internationalen Stellvertreterkrieg wurde. Manche sprechen gar von einem Weltkrieg. Jetzt hat Syriens Präsident Bashar al-Assad seine Truppen wieder nach Daraa geschickt, ließ Fassbomben abwerfen und Krankenhäuser bombardieren. Die Uno warnte vor der größten Schlacht seit Kriegsbeginn.

Zehntausende Menschen waren nach Uno-Angaben auf der Flucht. Das Kinderhilfswerk Unicef sprach allein von etwa 20.000 Kindern. Durch die Vermittlung Russlands waren die Kämpfe nach drei Wochen zu Ende. Rebellen wurden in die Nordprovinz Idlib gefahren, Hunderte Mitglieder der Hilfsorganisation Weißhelme durch Israel evakuiert. Nach sieben Jahren haben die Regierungstruppen nun wieder die Kontrolle über die Provinz Daraa übernommen. Ein symbolträchtiger Triumph für den Diktator in Damaskus.


Matthias Leibbrand ist Chef der deutschen Hilfsorganisation Vision Hope und kümmert sich von Anfang des Bürgerkrieges an um syrische Flüchtlinge, die nach Jordanien kamen. In Sichtweite der syrischen Grenze eröffnete er 2013 in der Provinz Mafraq einen Kindergarten für traumatisierte syrische Flüchtlingskinder. Die meisten stammen aus Daraa. Am Telefon in Amman berichtet er, dass eine große Angst unter den Flüchtlingen herrsche. "Die Streubomben, die über Daraa abgeworfen wurden, machen den Menschen Sorge um ihre Angehörigen dort.

Angst vor Assads Rache
Und dann ist die Rückkehr der Flüchtlinge ein riesiges Diskussionsthema - zurückzukehren zu Assad, gegen den man aufgestanden ist und vor dem man geflohen ist. Besonders die Männer, die mit der Freien Syrischen Armee gegen Assad gekämpft haben, fürchten jetzt seine Rache. Sie haben Angst, dass die jordanische Regierung sie zur Rückkehr drängen wird." Anfangs haben Bauern und Stammesführer gegen Assad demonstriert. Jetzt sagt die Regierung, dass Daraa eine Hochburg der Islamisten gewesen sei. "Es gab einige Gemeinden, die vom IS besetzt waren", weiß Leibbrand aus den Erzählungen der Flüchtlinge, "aber nur sehr kleine Gebiete". Ansonsten sei die Provinz Stammesgebiet.

Ein islamistisches Problem gäbe es in Daraa nicht. "Kein Vergleich mit dem Norden, wo rund um Idlib eine Hochburg von Islamisten besteht, die zum Auffangbecken aus den anderen von den Regierungstruppen zurückeroberten Landesteilen wurde." Von Anfang an agierte Assad nach der Devise, "wenn ich kaputt gehe, geht ihr mit". Und von Anfang an bezeichnete er die Rebellen als Terroristen.

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Schlagwörter

Syrien, Daraa, Trauma, Kinder, Kinergarten

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-26 16:14:15
Letzte Änderung am 2018-07-27 14:44:12


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