• vom 09.08.2018, 08:07 Uhr

Weltchronik

Update: 09.08.2018, 11:13 Uhr

Argentinien

Abtreibung bleibt weiter illegal




  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA, dpa

  • Die männlichen Senatoren entschieden das Abtreibungsvotum. Amnesty sieht "historische Chance" verpasst.

Der TV-Ausschnitt zeigt das Abstimmungsergebnis. Da die weiblichen Senatoren unentschieden stimmten, entschieden die Stimmen der männlichen über das Abtreibungsgesetz. - © APAweb / AFP, Argentinian Presidency / TV Grab

Der TV-Ausschnitt zeigt das Abstimmungsergebnis. Da die weiblichen Senatoren unentschieden stimmten, entschieden die Stimmen der männlichen über das Abtreibungsgesetz. © APAweb / AFP, Argentinian Presidency / TV Grab

Abtreibungsgegner bei einer Demonstration in Buenos Aires.

Abtreibungsgegner bei einer Demonstration in Buenos Aires.© APAweb, Reuters, Agustin Marcarian Abtreibungsgegner bei einer Demonstration in Buenos Aires.© APAweb, Reuters, Agustin Marcarian

Buenos Aires. In Argentinien ist eine Initiative zur Legalisierung der Abtreibung gescheitert. Der Senat lehnte am frühen Donnerstag mit 38 gegen 31 Stimmen eine Gesetzesvorlage ab, die bereits von der Abgeordnetenkammer angenommen worden war.

Zehntausende Menschen hatten sich während der 16-stündigen Debatte auf den Straßen um das Parlament versammelt, um teils für und teils gegen die Legalisierung der Abtreibung zu demonstrieren.

Mehr als 350.000 illegale Abtreibungen

In Argentinien ist Abtreibung bisher nur im Fall von Vergewaltigung oder Lebensgefahr für Mutter oder Kind erlaubt. Nach Schätzungen des Gesundheitsministeriums werden jedoch jährlich mehr als 350.000 illegale Abtreibungen durchgeführt. Rund 50.000 Frauen werden jährlich wegen gesundheitlicher Komplikationen nach diesen Eingriffen in Krankenhäuser eingeliefert.

Nach der gültigen Gesetzgebung von 1921 machen sich bei einer Abtreibung nicht nur die Ärzte, sondern auch die Frauen strafbar. Zwischen 2007 und 2016 sind in Argentinien 63 Menschen in Verbindung mit illegalen Abtreibungen vor Gericht verurteilt worden.

Die Abstimmungen fanden in beiden Parlamentskammern ohne Fraktionszwang statt. Der konservative Staatschef Mauricio Macri hielt sich neutral. Einige Minister, darunter der Gesundheitsminister, sprachen sich für die Gesetzesvorlage aus, andere Regierungsmitglieder dagegen. Die Katholische Kirche hatte aktiv gegen die Legalisierung der Abtreibung gestritten.

Frauen standen Initiative unentschlossen gegenüber

Entschieden haben die Ablehnung die Stimmen der männlichen Senatoren.
Während die Frauen der Initiative unentschieden gegenüberstanden (14 zu
14 bei zwei Enthaltungen), bildete sich bei den Männern eine klare
Mehrheit dagegen (24 zu 17 bei einer Enthaltung). Dies berichtet die
Tageszeitung "Clarin" am Donnerstag.

Die Bruchlinie zwischen Pro
und Contra verlief nicht unbedingt entlang der Parteigrenzen. Besonders
gespalten zeigte sich das liberal-konservative Regierungsbündnis
"Cambiemos" ("Lasst uns verändern") von Präsident Mauricio Macri. Acht
Abgeordnete stimmten für das Gesetz, siebzehn dagegen. Aber auch die
"Frente para la Victoria" (FPV, "Front für den Sieg") der linken
Amtsvorgängerin Cristina Fernandez de Kirchner konnte nicht alle
Abgeordneten des tendenziell konservativen Senats auf die Pro-Seite
ziehen. Eine FPV-Stimme stellte sich gegen die Initiative.

Amnesty: "Verpasste historische Chance"

Amnesty
International bezeichnete die Abstimmung unterdessen als "verpasste
historische Chance". Die Senatoren hätten entschieden, "den
Hunderttausenden Frauen und Mädchen, die für ihre sexuellen und
reproduktiven Rechte kämpfen, den Rücken zuzukehren."





Schlagwörter

Argentinien, Abtreibung

3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-09 08:08:56
Letzte Änderung am 2018-08-09 11:13:34


Werbung




Werbung