• vom 09.08.2018, 17:36 Uhr

Weltchronik


Schwangerschaftsabbruch

Es bleibt das Gesetz von 1921




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Von Anja Stegmaier und Konstanze Walther

  • Argentiniens Senat lehnt eine Modernisierung des Reproduktionsgesetzes ab. Schwangerschaftsabbrüche bleiben illegal. In Lateinamerika sind straffreie Abbrüche nur in Kuba, Uruguay und Mexiko-Stadt möglich.

Nach der Entscheidung des Senats protestieren Befürworter der Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs auf den Straßen von Buenos Aires. - © afp/Abramovich

Nach der Entscheidung des Senats protestieren Befürworter der Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs auf den Straßen von Buenos Aires. © afp/Abramovich

Buenos Aires/Mexiko-Stadt. In Argentinien bleiben Schwangerschaftsabbrüche mit einem Gesetz aus dem Jahr 1921 geregelt: Sie gelten weiterhin als Straftat, sofern nicht das Leben der Mutter in Gefahr ist oder die Schwangerschaft die Folge einer Vergewaltigung ist.

Eine Initiative zur Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen bis zur 14. Schwangerschaftswoche scheiterte in der Nacht auf Donnerstag, weil der Senat eine entsprechende Gesetzesvorlage mit 38 gegen 31 Stimmen ablehnte. Die Vorlage war zuvor von der Abgeordnetenkammer angenommen worden.


Der Gesetzesentwurf kann im laufenden Parlamentsjahr nicht erneut vorgelegt werden.

Während die Senatorinnen der Initiative unentschieden gegenüberstanden (14 zu 14 bei einer Enthaltung und einer Abwesenheit), bildete sich bei den männlichen Abgeordneten eine klare Mehrheit gegen eine Legalisierung (24 zu 17 bei einer Enthaltung).

Die Bruchlinie zwischen Pro und Contra verlief nicht unbedingt entlang der Parteigrenzen im noch immer stark katholisch geprägten Land. Schließlich hatte sich auch Papst Franziskus eingeschaltet, um gegen die Legalisierung zu appellieren. Er schrieb an die argentinischen Bischöfe, diese sollten "Leben und Gerechtigkeit" verteidigen.

Einfach war die Entscheidungsfindung im Senat nicht: Die Debatte dauerte 16 Stunden an. Nach Bekanntwerden der Entscheidung kam es zu Tumulten auf den Straßen. Die große Mehrheit blieb allerdings friedlich.

Auch in anderen Ländern Lateinamerikas kam es zu Solidaritäts-Demonstrationen mit den Abtreibungsbefürwortern.

Mexiko-Stadt mit Sonderregel
In Mexiko-Stadt forderten Befürworter der Entkriminalisierung von Abtreibungen eine Änderung der Gesetze auch in Mexiko. Denn dort ist nur in der Hauptstadt aufgrund einer Sonderregelung der Schwangerschaftsabbruch legal. Im Rest des Landes ist der Abbruch nur im Fall einer Vergewaltigung erlaubt und wenn das Leben der Mutter durch die Schwangerschaft gefährdet ist.

Auch in Costa Ricas Hauptstadt San José marschierten rund 500 Menschen zur Unterstützung des Gesetzes in Argentinien. In Costa Rica sind Schwangerschaftsabbrüche nur erlaubt, wenn das Leben der Mutter durch die Schwangerschaft gefährdet ist. Argentiniens Nachbarland Chile hat überhaupt erst seit dem vergangenen Jahr eine Gesetzesänderung beschlossen, wonach ein Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich möglich ist - wenn auch nur im Falle einer Vergewaltigung, bei Gefahr für das Leben der Mutter sowie wenn der Fötus nicht überlebensfähig ist.

In Lateinamerika ist der medizinisch nicht indizierte Schwangerschaftsabbruch derzeit - neben Mexiko-Stadt - nur in Kuba und Uruguay legal.

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Dokument erstellt am 2018-08-09 17:44:29


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