• vom 11.08.2018, 12:47 Uhr

Weltchronik

Update: 11.08.2018, 12:51 Uhr

Monsanto

Krebs durch Glyphosat?




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Von WZ Online, APA/dpa/AFP

  • Der Agrarkonzern Monsanto wurde in Kalifornien zu einer Millionen-Strafe verurteilt.

Der krebskranke Kläger Dewayne Johnson vernahm das Urteil unter Tränen.  - © APAweb / Josh Edelson/Pool Photo via AP

Der krebskranke Kläger Dewayne Johnson vernahm das Urteil unter Tränen.  © APAweb / Josh Edelson/Pool Photo via AP

San Francisco. Wenn das Urteil den Instanzenzug übersteht, wäre es für Monsanto äußerst unangenehm. Ein Geschworenengericht hat den Agrarkonzern in San Francisco zu einem Schadenersatz von 289 Millionen Dollar (253 Millione Euro) verurteilt. Der Unkrautvernichter Roundup, der den umstrittenen Wirkstoff Glyphosat enthält, habe "wesentlich" zur Krebserkrankung des Klägers beigetragen, befand das Gericht.

Das Geld wurde dem ehemaligen Hausmeister Dewayne Johnson zugesprochen, der unheilbar an Lymphdrüsenkrebs erkrankt ist und die Herbizide von Monsanto dafür verantwortlich macht. Die Geschworenen-Jury begründete das Urteil mit dem Versäumnis von Monsanto, den Kunden vor dem Krebsrisiko durch das Herbizid zu warnen. Sie stufte dies als "Heimtücke" ein. Der 46-jährige Kläger hatte die Herbizide als Hausmeister mehrerer Schulen über Jahre hinweg in großen Mengen angewendet.

Streit um Glyphosat

Im Zentrum des Verfahrens stand die Frage, ob die in den Unkrautvernichtungsmitteln Roundup und RangerPro enthaltene Chemikalie Glyphosat möglicherweise eine krebsauslösende Wirkung hat. Monsanto, das seit kurzem zum Bayer-Konzern gehört, bestreitet eine krebsauslösende Wirkung seines Produkts.

Tatsächlich ist die Frage, ob Monsantos Verkaufsschlager Roundup zu Krebs führen kann, hoch umstritten. Trotz der zahlreichen vom Unternehmen zitierten Studien, stufte die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Unkrautvernichter 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" für Menschen ein.

Dieser Befund hatte nun auch maßgeblichen Einfluss auf die Urteilsfindung in San Francisco. Klägeranwalt Brent Wisner sagte, das Urteil belege "die überwältigenden Beweise" für die Gesundheitsrisiken durch Glyphosat. Das Urteil sei nur "die Spitze des Eisbergs" - es würden nun noch viele derartige Urteile fallen.

Klagslawine gegen Monsanto

Johnson warf dem Saatguthersteller vor, die Gefahren des Unkrautvernichters verschwiegen zu haben. Die Jury sah das genauso und folgte nach einem vierwöchigen Prozess weitgehend der Argumentation der Klägeranwälte. Monsanto kündigte jedoch umgehend an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Das Unternehmen ist mit Tausenden ähnlichen US-Klagen konfrontiert.

In der Stellungnahme heißt es zwar, Monsanto habe "Mitgefühl mit Herrn Johnson und seiner Familie". Die heutige Entscheidung ändere jedoch nichts an der Tatsache, dass mehr als 800 wissenschaftliche Studien und Bewertungen - einschließlich derjenigen der US-Umweltbehörde EPA, der Nationalen Gesundheitsinstitute und anderer Behörden weltweit - den Befund unterstützten, dass Glyphosat nicht krebserregend sei. Man werde das Produkt, welches "seit 40 Jahren sicher in Gebrauch" sei, auch in Zukunft nachdrücklich verteidigen.

Brisantes Urteil

Obwohl es sich nur um einen Einzelfall und keine Sammelklage handelte, ist der Prozessausgang für Bayer und Monsanto brisant, da es die erste Gerichtsentscheidung überhaupt ist und sie wegweisend für die zahlreichen anderen Verfahren sein könnte. Der Fall war zuerst verhandelt worden, weil Kläger Johnson bereits im Sterben liegt und deshalb in Kalifornien Anrecht auf einen schnelleren Prozessbeginn hatte.

Für das erst vor kurzem für rund 63 Milliarden Dollar vom Dax-Riesen Bayer übernommene US-Unternehmen ist das Urteil erst der Auftakt - Monsanto steht in den USA vor einer regelrechten Klagelawine.

Kläger Johnson nahm das Urteil mit Tränen und Erleichterung auf. "Hier geht es nicht nur um mich", sagte er. "Diese Sache wird nun hoffentlich die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienst."





Schlagwörter

Monsanto, Glyphosat, Krebs, Justiz, USA

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-11 12:49:05
Letzte Änderung am 2018-08-11 12:51:28


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