• vom 16.08.2018, 16:57 Uhr

Weltchronik

Update: 20.08.2018, 14:38 Uhr

Afrika

Ebola-Ausbruch im Kriegsgebiet




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Von WZ-Korrespondentin Simone Schlindwein

  • Im Ostkongo hat das Virus bereits mehr als 40 Menschen getötet. Das Problem für die Helfer: Die Region ist umkämpft, in ihr sind dutzende Rebellengruppen aktiv.

Hygienemaßnahmen in einem Gesundheitszentrum der Hilfsorganisation Alima in Beni. - © afp/John Wessels

Hygienemaßnahmen in einem Gesundheitszentrum der Hilfsorganisation Alima in Beni. © afp/John Wessels



Goma. Mit Sirene und Blaulicht hält der Krankenwagen vor dem Krankenhaus in Ostkongos Provinzhauptstadt Goma. Doch das Eingangstor ist fest verriegelt. Ohne Fieber zu messen und Hände zu desinfizieren kommt hier niemand durch, selbst bei Notfällen. Im krisengeplagten Ostkongo werden nun überall - ob in Restaurants, Bars, Schulen, Kirchen oder Büros - Vorkehrungen getroffen, damit sich das tödliche Ebola-Virus nicht weiter ausbreitet.

Noch ist die Millionenstadt Goma, direkt an der Grenze zu Ruanda, nicht betroffen. Doch die Gefahr ist groß - und dann könnte sich die Krankheit rasch in ganz Ostafrika ausbreiten. Die letzte regionale Ebola-Epidemie von 2014 bis 2016 in Westafrika hat mehr als 11.000 Menschenleben gekostet.


Das Ebola-Epizentrum liegt 240 Kilometer nördlich von Goma, in der Region rund um die Stadt Beni. Mittlerweile gibt es 73 Verdachtsfälle, davon sind 46 bestätigt, 27 Patienten unter Beobachtung; 43 sind bereits gestorben. "Die Zahlen steigen zwar nach wie vor", sagt Kongos Ebola-Experte Richard Kitenge. Gestresst sitzt der Notfallkoordinator in Gomas Krankenhaus vor einem überladenen Schreibtisch, ständig klingelt das Handy. Doch er zeigt sich zuversichtlich: "Bis nächste Woche müssten wir die Lage in den Griff bekommen", sagt er. Die Kongolesen kennen sich mit Ebola aus. Das Virus stammt aus dem Dschungel im Herzen Afrikas und ist benannt nach einem Fluss, der durch den Kongo fließt.

Erst vor zwei Wochen hat Kongos Gesundheitsministerium einen weiteren Ebola-Ausbruch als "eingedämmt" erklärt. Bei diesem starben in der nördlichen Provinz Equateur 33 Menschen. Beni liegt knapp 1500 Kilometer entfernt. Gentests am Virus bestätigen: Es handelt sich um einen anderen Erreger, das Virus wurde nicht quer durch das Land übertragen.

Das ist erst einmal eine gute Nachricht. Die andere: Internationale Ärzte, Pfleger sowie Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren bis Ende Juli bereits im Nordkongo im Einsatz. Die notwendige Logistik war auch bereits vor Ort - ebenso der neue Impfstoff. Die Ebola-Teams konnten schnell reagieren. Die UN-Mission im Kongo (Monusco) hat vergangenen Freitag zwei große Flugzeuge bereit gestellt, um Ärzte und Ausrüstung quer durch das gewaltige Land zu fliegen.

Neue Behandlung
In Equateur war im Juni zum ersten Mal in der Geschichte ein Impfstoff zur Vorbeugung ausprobiert worden. Dieser wird jetzt auch in Beni angewandt. "Mit der derzeitigen Impfabdeckung hoffen wir, dass sich die Zahl der neuen Fälle reduziert", sagt Kitenge. Und noch ein weiteres Präparat kommt jetzt weltweit zum ersten Mal zum Einsatz: ein Molekül, das infizierten Patienten als Behandlung verabreicht wird. "Das ist ein Test. Aber mit der systematischen Behandlung können wir dann auch die Ergebnisse studieren", so der Ebola-Experte.

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Dokument erstellt am 2018-08-16 17:05:39
Letzte Änderung am 2018-08-20 14:38:40


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