• vom 20.08.2018, 22:02 Uhr

Weltchronik


Türkei

Atempause für verfolgte Journalistin




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  • Türkei lässt Mesale Tolu vorübergehend ausreisen.

Ankara. Plötzlich ging es ganz schnell: Die in der Türkei angeklagte deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu darf nun doch das Land verlassen. Die 33-Jährige bestätigte Berichte über die Aufhebung ihrer Ausreisesperre. Um diese hatte Tolu lange gekämpft, die mit ihrem kleinen Sohn und ihrem Mann in Ulm lebte - bis sie während eines Türkei-Aufenthaltes wegen "Mitgliedschaft in einer Terrororganisation und Terrorpropaganda" verhaftet wurde - Beschuldigungen, die in der Türkei inzwischen für jede Art von Kritik und Opposition zur Regierung herhalten müssen. Tolu saß sieben Monate im Gefängnis, im Dezember wurde sie freigelassen, musste aber in der Türkei bleiben.

Nun darf die Journalistin mit kurdischen Wurzeln mit ihrem Sohn zwar nach Deutschland fliegen, das Verfahren gegen sie geht aber weiter. Im Herbst ist der nächste Prozesstermin. Ihr drohen in der Türkei bis zu 20 Jahre Haft. Auch ihr Mann ist wegen "Terrorverdachts" angeklagt, ihm untersagten die Justizbehörden, das Land vorübergehend zu verlassen. Offenbar soll damit Druck auf Mesale Tolu ausgeübt werden, wieder zurückzukehren, um sich vor Gericht zu verantworten.


Der Ausreiseerlaubnis war ein Telefonat von Präsident Recep Tayyip Erdogan mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel vorausgegangen, in dem er sich laut "Spiegel" Berlins Unterstützung im Streit mit den USA vergewissern wollte. Diese hatten wegen eines inhaftierten US-Pastors Sanktionen gegen die Türkei verhängt, die ohnehin unter einer veritablen Wirtschaftskrise samt Lira-Verfall ächzt.




Schlagwörter

Türkei, MEsale tolu

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Dokument erstellt am 2018-08-20 17:59:47


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