• vom 30.08.2018, 17:43 Uhr

Weltchronik

Update: 30.08.2018, 21:50 Uhr

Katholische Kirche

Das Schweigen der Hirten




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  • Vertuschungsvorwürfe, Rücktrittsforderungen: Gegen die frontalen Angriffe bekommt der Papst kaum Rückendeckung.



Giovanni D’Ercole (vorne) hat bisher als einziger Bischof öffentlich Partei für Papst Franziskus ergriffen.

Giovanni D’Ercole (vorne) hat bisher als einziger Bischof öffentlich Partei für Papst Franziskus ergriffen.© afp/Tiziana Fabi Giovanni D’Ercole (vorne) hat bisher als einziger Bischof öffentlich Partei für Papst Franziskus ergriffen.© afp/Tiziana Fabi

Vatikan. (kap/dpa) Der Italiener Giovanni D’Ercole ist eine Ausnahme: Unter den etwa 5300 katholischen Bischöfen weltweit hat jener der Diözese Ascoli Piceno in der Region Marken als Einziger öffentlich Partei für Papst Franziskus ergriffen. Alle anderen Hirten schweigen bisher zu den Angriffen auf ihren Oberhirten durch den früheren vatikanische Botschafter in den USA, Erzbischof Carlo Maria Vigano. Dieser hat dem Papst in einem elf Seiten langen Memorandum zur Missbrauchsaffäre um den früheren Washingtoner Erzbischof Theodore McCarrick Vertuschung vorgeworfen und Franziskus zum Rücktritt aufgefordert. Der Papst hatte McCarrick Ende Juli unter dem Verdacht des Missbrauchs Minderjähriger aus dem Kardinalsstand entlassen.

D’Ercole hat nun in einem Hirtenbrief an seine Gläubigen geschrieben, der Papst müsse wissen, "dass er in seinem Kampf gegen den Missbrauch von Minderjährigen und jungen Leuten durch ungetreue Kleriker nicht allein ist". Die Rücktrittsforderung sei eine "mediale und politische Operation", der Bischof sprach von einer "Instrumentalisierung".

"Ein einziger Bischof weltweit stellt sich vor den Papst"

Direkte Kritik am Schweigen der Bischöfe übte der Wiener Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner in seinem Blog: "Die Bischöfe in Österreich, in Deutschland, in der Schweiz - kurzum: alle unsere Europäischen Bischofskonferenzen - schweigen", so Zulehner, der sich schon im Oktober 2017 mit seiner Initiative "Pro Pope Francis" (bisher 75.000 Unterstützer) hinter den Papst stellte. Die fehlende Rückendeckung für den Papst gegen die frontalen Angriffe der weltweit vernetzten Reformgegner aus den eigenen Reihen bezeichnete er als "skandalös". Sie mache "schuldig am Wohl der Kirche" und verunsichere viele Gutwillige im Kirchenvolk. Als wacher Beobachter sei er bestürzt, dass erst ein einziger Bischof weltweit sich in dieser prekären Lage vor den Pontifex gestellt habe, schrieb der Theologe unter Verweis auf D’Ercole. Der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen wäre "gut beraten, seine Loyalität klar und deutlich zu bekunden".

Ins gleiche Horn stieß der deutsche Kirchenrechtler Stephan Haering. Er sprach gegenüber der "Tagespost" von einem "unerhörten Vorgang - zweifellos wird damit die gebotene Loyalität gegenüber der Person des Papstes verletzt". Kritik an Vigano und seinen Mitstreitern kam auch aus den USA. Der Theologe Massimo Faggioli von der katholischen Universität Villanova in Philadelphia erklärte auf der Website "Vatican Insider", einige US-Bischöfe stünden durch den Missbrauchsskandal dermaßen unter Druck, dass sie Angst hätten, auf der Straße attackiert zu werden. In dieser Situation würden sie die Verantwortung auf den Vatikan schieben, "um sich als diejenigen zu präsentieren, die Gerechtigkeit und Wahrheit fordern".




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-30 17:53:53
Letzte Änderung am 2018-08-30 21:50:08


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