• vom 03.09.2018, 21:31 Uhr

Weltchronik

Update: 03.09.2018, 21:59 Uhr

UNDP

Warnung vor Massenflucht aus der Tschadseeregion




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Von Sabine Siebold

  • Geber-Konferenz in Berlin will die Hilfe für die nordafrikanische Krisenregion um gut 1,7 Milliarden Euro aufstocken.

Berlin. (reuters/red) Der Chef des UN-Entwicklungsprogrammes UNDP, Achim Steiner, warnt vor einer Fluchtwelle aus der stark vom Klimawandel betroffenen Tschadsee-Region, falls die Staatengemeinschaft den Menschen dort nicht langfristig Lebensperspektiven verschafft. "Diese Region am Tschadsee, aber auch der gesamte Sahel, ist ein Gebiet, wo Millionen von Menschen an dem Punkt sind, dass sie zum Teil einfach nicht mehr an eine Zukunft glauben", sagte Steiner vor Beginn einer internationalen Tschadsee-Konferenz am Montag in Berlin. "Diese Menschen müssen wir schnell erreichen. Denn sie wollen ja gar nicht ihr Land verlassen, aber die Umstände zwingen sie immer mehr dazu." Die Tschadsee-Region, wo knapp sechs Millionen Menschen auf Lebensmittelhilfe angewiesen sind, ist Schauplatz einer der größten humanitären Krisen Afrikas.

Die Weltgemeinschaft will nun die Hilfe für die nordafrikanische Krisenregion um gut 1,7 Milliarden Euro aufstocken. Bei der Geber-Konferenz in Berlin wurde damit am Montag für die notleidende Bevölkerung in einer der ärmsten Regionen der Welt etwa drei Mal so viel Geld zugesagt wie bei einer ähnlichen Konferenz in Oslo im vergangenen Jahr.


Der Wasserspiegel des Tschadsees am südlichen Rand der Sahara ist im Zuge des Klimawandels im vergangenen Jahrhundert dramatisch gesunken. Als Folge spielt sich in den Anrainerstaaten Kamerun, Tschad, Niger und Nigeria eine der weltweit größten humanitären Katastrophen ab. Neben Dürre und Hunger macht den 50 Millionen Menschen um den Tschadsee aber auch der Terror der islamistischen Gruppen Boko Haram und Islamischer Staat zu schaffen.

Das alles zusammen führt zu Flüchtlingsbewegungen Richtung Europa. Laut Angaben des deutschen Auswärtigen Amts sind in der Region 2,3 Millionen Menschen binnenvertrieben, mehr als 200.000 auf der Flucht

"Wir sollten uns daran erinnern, dass wir bereits einmal vor knapp acht Jahren einen großen Fehler gemacht haben, als die Syrien-Krise begann und viele Menschen flüchten mussten", mahnte Achim Steiner.

Damals hätte die UNO vergeblich um Hilfszusagen gebeten und daraufhin Krankenstationen und Schulen in Flüchtlingslagern schließen und die Essensrationen halbieren müssen. "Wir dürfen nicht überrascht sein, wenn Menschen wie Sie und ich mit unseren Kindern in so einem Lager sind, wo es keine Gesundheitsversorgung gibt, keine Bildung und Sie nicht mal mehr genug zu essen haben: Was würden Sie machen? Aufbrechen, fliehen anderswohin", sagte Steiner. "Diese Tschadsee-Konferenz ist letztlich ein Appell an die Welt, auf die Realität zu schauen und sich nicht mit Debatten darüber aufzuhalten: Sollten wir Hilfe an Afrika geben oder nicht?"

Die heute völlig verarmte Tschadsee-Region war früher ein wichtiges Scharnier zwischen der Sahara und dem südlicheren Afrika. Die schätzungsweise rund 50 Millionen Menschen dort leiden inzwischen aber immer stärker unter dem Klimawandel und den Angriffen der Extremistenorganisation Boko Haram. Seit 1963 ist der Tschadsee auf ein Zwanzigstel seiner ursprünglichen Größe geschrumpft, viele Nomaden finden kein Futter mehr für ihre Tiere.




Schlagwörter

UNDP, Tschad, Tschadsee, Kamerun, Nigeria, Niger

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-03 18:48:00
Letzte Änderung am 2018-09-03 21:59:53


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