• vom 05.09.2018, 21:46 Uhr

Weltchronik

Update: 05.09.2018, 21:51 Uhr

Jordanien

"Rückkehr nach Syrien bedeutet Tod"




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Von WZ-Korrespondentin Birgit Svensson

  • Viele Flüchtlinge wollen ihr jordanisches Exil nicht verlassen. Andere verzweifeln vor verschlossenen Grenzbalken.

Flüchtlinge aus der Region Idlib. Sie wissen nicht wohin, Jordanien und auch die Türkei haben die Grenzen geschlossen.

Flüchtlinge aus der Region Idlib. Sie wissen nicht wohin, Jordanien und auch die Türkei haben die Grenzen geschlossen.© afp Flüchtlinge aus der Region Idlib. Sie wissen nicht wohin, Jordanien und auch die Türkei haben die Grenzen geschlossen.© afp

Amman. Sobald eine Kamera auftaucht, verschwinden die Frauen in einer Ecke des Zimmers. Nur die Kinder dürften fotografiert werden. Sie selbst hätten Angst vor der Rache des Diktators, Angst, dass sie zurückkehren müssen, Angst, dass ihren Angehörigen, die noch in Syrien sind, etwas zustößt.

Um Malik, so will sie sich nennen, ist 61 Jahre alt und seit fast sechs Jahren in der jordanischen Provinz Mafraq mit einem Teil ihrer Familie untergetaucht. Mafraq ist flächenmäßig die zweitgrößte Provinz des Königreichs und liegt direkt an der Grenze zu Syrien. Wie keine andere Provinz in Jordanien beherbergt Mafraq tausende von syrischen Flüchtlingen, die teilweise unmittelbar nach Ausbruch der Unruhen im Frühjahr 2011 ins Nachbarland strömten.


Söhne desertierten
Um Malik, zu Deutsch Mutter des Königs, kam ein Jahr später. "Wir haben Bashar verehrt", sagt sie verzweifelt. Ihr Mann arbeitete im öffentlichen Dienst und kümmerte sich um die Wasserversorgung einiger Dörfer in der Provinz Daraa im Süden von Syrien, wo die Unruhen begannen. Die Söhne waren in der syrischen Armee. "Wir konnten einfach nicht glauben, was Bashar uns angetan hat." Als die Demonstrationen in der Provinzhauptstadt begannen, weil die Menschen ihre inhaftierten Jugendlichen aus dem Gefängnis herausholen wollten, hielt sich Um Malik und ihre Familie zurück. Ende März 2011 sprühten junge Syrer Parolen an die Wand in der Stadt Daraa, mit denen sie den Sturz des Regimes forderten, ganz so, wie es kurz davor in Tunesien und Ägypten geschah. Das Regime schlug mit voller Härte zurück.

Ihre Söhne wollten kein syrisches Blut an ihren Händen und desertierten von der Armee, ihr Mann arbeitete weiter. Als Razzien und Verhaftungen zunahmen und die Luftangriffe sich häuften, gingen sie über die Grenze nach Jordanien. Die Söhne kamen mit, die Töchter blieben in Syrien. Zunächst kam die geteilte Familie im Lager Zaatari an, mit damals über 100.000 Menschen das zweitgrößte Flüchtlingslager der Welt. Auch Zaatari liegt in der Provinz Mafraq, nur zehn Kilometer vom Ort Manshiyya entfernt, wo Um Malik jetzt wohnt. Von dort konnte man den Bombendonner Tag und Nacht hören, als Assads Armee mit russischer Luftunterstützung Anfang Juli Provinz und Stadt Daraa wieder unter die Kontrolle des Regimes brachten. Die Erde soll bis nach Jordanien hinein gebebt haben.

Im Lager sei es schrecklich gewesen, erzählt die Schwiegertochter vom Zustand Zaataris vor sechs Jahren. Eine Stunde Anstehen vor dem Badezimmer-Container. Die hygienischen Verhältnisse waren schlimm. Um Malik und viele andere verließen das Lager. Heute hat Zaatari nicht mehr als 70.000 syrische Flüchtlinge. Insgesamt beherbergt Jordanien 1,3 Millionen Syrer, wie offizielle Zahlen angeben. Die meisten wohnen nicht in Lagern, sondern in Städten, Gemeinden und Dörfern wie Manshiyya.

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Schlagwörter

Jordanien, Exil, Syrien, Flüchtlinge

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-05 18:42:00
Letzte Änderung am 2018-09-05 21:51:50


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