• vom 12.10.2018, 07:26 Uhr

Weltchronik

Update: 17.10.2018, 18:02 Uhr

Kirchenstreit

"Kiew mischt sich in ukrainische Kirchenangelegenheiten ein"




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Von Thomas Seifert aus Kiew

  • Der für internationale Angelegenheiten des Moskauer Patriarchats der russisch-orthodoxen Kirche zuständige Metropolit Hilarion Afejew über den Kirchenstreit in Kiew.

Hilarion Afejew (geboren am 24. Juli 1966) ist Metropolit von Wolokolamsk und Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats (der gegenwärtige Patriarch von Moskau, Kyrill I., hatte diese Position vor seiner Wahl inne). Zwischen 2003 und 2009 war er Bischof von Wien und Österreich. Hilarion gilt als entschiedener Gegner einer Eingeständigkeit der autonomen Ukrainischen Kirche. Das Interview wurde am Rande des Kongresses der Weltreligionen in Astana, Kasachstan geführt.

Hilarion Afejew (geboren am 24. Juli 1966) ist Metropolit von Wolokolamsk und Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats (der gegenwärtige Patriarch von Moskau, Kyrill I., hatte diese Position vor seiner Wahl inne). Zwischen 2003 und 2009 war er Bischof von Wien und Österreich. Hilarion gilt als entschiedener Gegner einer Eingeständigkeit der autonomen Ukrainischen Kirche. Das Interview wurde am Rande des Kongresses der Weltreligionen in Astana, Kasachstan geführt.© Thomas Seifert Hilarion Afejew (geboren am 24. Juli 1966) ist Metropolit von Wolokolamsk und Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats (der gegenwärtige Patriarch von Moskau, Kyrill I., hatte diese Position vor seiner Wahl inne). Zwischen 2003 und 2009 war er Bischof von Wien und Österreich. Hilarion gilt als entschiedener Gegner einer Eingeständigkeit der autonomen Ukrainischen Kirche. Das Interview wurde am Rande des Kongresses der Weltreligionen in Astana, Kasachstan geführt.© Thomas Seifert

Kiew. In der Ukraine tobt seit einiger Zeit ein Kirchenstreit. Es ist kompliziert: Es gibt eine ukrainische orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats und es gibt eine ukrainische orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats, die aber von den kanonischen orthodoxen Kirchen in aller Welt nicht anerkannt wird. Nach den bereits seit vielen Jahren gehegten Wünschen der ukrainischen Regierung soll nun die ukrainische orthodoxe Kirche "Autokephalie" (Eigenständigkeit) erhalten. Denn die Ukraine fürchtet den Einfluss Moskaus auf die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats. Die Entscheidung liegt nun beim Patriarchen von Konstantinopel, der in solchen Fragen das letzte Wort hat.

"Wiener Zeitung": Wie steht es im Kirchenstreit zwischen Moskau und Kiew? Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat sich ja im April dieses Jahres an den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus I., mit der Bitte gewandt, der orthodoxen Kirche in der Ukraine Eingeständigkeit und einen eigenen Status zu gewähren.

Hilarion Alfejew: Es gibt keinen Kirchenstreit. Die ukrainische orthodoxe Kirche gehört zum Moskauer Patriarchat. Diese Kirche ist autonom und diese Kirche hat auch nicht um Eigenständigkeit ersucht. Die ukrainische Regierung und zwei schismatische Gruppen sind es, die eine Trennung wollen. Aber diese schismatischen Gruppen repräsentieren die Minderheit. Die Mehrheit der Kirchen in der Ukraine gehört zur kanonischen Kirche.

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© Grafik: WZ 20181011ukrina© Grafik: WZ

Einige Beobachter meinen, dass eine Eskalation des Kirchstreits auch Auswirkungen auf die ohnehin schlechten Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine haben könnte. Es bestehe die Gefahr, dass der Russland-Ukraine-Konflikt erneut aufflammen könnte.

Diese Gefahr besteht durchaus. Die säkularen Autoritäten der Ukraine mischen sich in die Angelegenheiten der Kirche ein. Damit wird die Spaltung weiter vorangetrieben. Wir haben alle Beteiligten vor den möglichen Konsequenzen gewarnt. Ich darf betonen: Die säkularen Autoritäten sollen sich nicht einmischen, wenn es um die internen Organisationsstrukturen der Kirche geht.

Die ukrainische Regierung ist offenbar der Meinung, dass die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats zu stark von Moskau beeinflusst ist.

Das ist eine Lüge. Denn diese Kirche ist selbstverwaltet. Die Kirche ist weder in Personalangelegenheiten noch in finanziellen Angelegenheiten und auch nicht in Verwaltungsfragen von Moskau abhängig. Der Metropolit von Kiew ist ein permanentes Mitglied der Synode der russisch-orthodoxen Kirche. Somit hat der Metropolit von Kiew einen Einfluss auf die Angelegenheiten der russisch-orthodoxen Kirche! Umgekehrt gibt es keinen einzigen Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche in der Synode der ukrainischen Kirche. Die Kirche ist also zu 100 Prozent unabhängig.

Mit welchem konkreten Ersuchen haben Sie sich an den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel gewandt?

Wir haben sie gebeten, dass sie diese Aktivitäten stoppen, die die Einheit der orthodoxen Kirche bedrohen und zu einer noch tieferen Spaltung führen.

Was unternimmt die russisch-orthodoxe Kirche, um die Friedensbemühungen zwischen Moskau und Kiew zu unterstützen?

Wir machen alles, was möglich ist. Auf den derzeitigen Kirchenstreit haben wir keinen Einfluss, da müssen sie schon in Kiew nachfragen, wie es dazu gekommen ist. Wir haben ja in der Vergangenheit - zuletzt im Dezember vergangenen Jahres - mit den Abspaltern gesprochen. Philaret hat damals einen Brief geschrieben, ich habe zwei Delegationen seiner Gruppe empfangen. Wir standen damals im Dialog, aber die ukrainischen Behörden haben wohl entschieden, dass dieser Dialog gestoppt wird, sie haben sich stattdessen an das Ökumenische Patiarchat von Konstantinopel gewandt.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-11 17:54:41
Letzte Änderung am 2018-10-17 18:02:17


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