• vom 17.10.2018, 18:11 Uhr

Weltchronik

Update: 17.10.2018, 18:49 Uhr

Afrika

UNO warnt vor Katastrophe in Sahelzone




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  • Bevölkerungswachstum, Terror und Klimawandel ziehen Region nach unten.

Menschen in Niger warten auf einen Hilfskonvoi. - © apa/afp/Luis Tato

Menschen in Niger warten auf einen Hilfskonvoi. © apa/afp/Luis Tato

Berlin/Wien. (klh/apa) Wird nicht gegengesteuert, marschieren viele Länder Afrikas laut UNO auf eine Katastrophe zu: Das Welternährungsprogramm (WFP) hat vor einer Krise bisher ungeahnten Ausmaßes in der Sahelzone und deren Anrainerstaaten gewarnt. Bewaffnete Konflikte, Klimaextreme, politische Instabilität und eine rasch wachsende Bevölkerung gefährdeten die Ernährungssicherheit und könnten auch zu einer großen Migrationsbewegung führen, sagte WFP-Chef David Beasley in Berlin.

Die Welt müsse "aufwachen und die Wurzel des Problems angehen", mahnte Beasley. "Ohne Ernährungssicherheit gibt es insgesamt keine Sicherheit."

Einige Staaten der Sahelzone - etwa Mali, Burkina Faso, Niger und der Tschad - werden von islamistischen Terrorgruppen destabilisiert. Klimaextreme wie anhaltende Trockenzeiten machen der Landwirtschaft in dem Gebiet am Südrand der Sahara schwer zu schaffen. Trotzdem wächst die Bevölkerung dort mitunter rasant. Im Niger etwa, einem der ärmsten Länder der Welt, gebären Frauen im Durchschnitt 7,5 Kinder - die weltweit höchste Geburtenrate. Die Bevölkerung in Nigeria soll sich UN-Prognosen aus dem vergangenen Jahr zufolge von derzeit 185 Millionen Menschen bis 2100 auf 914 Millionen mehr als vervierfachen.

Gründe für die Bevölkerungsexplosion gibt es sehr viele, einer der Hauptgründe ist gut erforscht: Vor allem in ärmeren Familien werden die Kinder als künftige Ernährer und Altersvorsorge angesehen. Was für einzelne Familien viel Sinn macht - viele Kinder -, sorgt in den einzelnen Staaten für einen immensen Druck auf dem Arbeitsmarkt und für immer heftigere Verteilungskämpfe, etwa um Landbesitz. Und es sorgt dafür, dass immer mehr Leute versorgt werden müssen, weshalb es immer mehr Lebensmittel braucht.

Chaos in Libyen wirkt sich aus

Auch Beasley warnte, die Risiken des Bevölkerungswachstums würden unterschätzt. "Wenn wir schon damit ringen, 7,5 Milliarden zu ernähren, mit all den Ressourcen, dem Wohlstand und der Erfahrung, die wir heute haben, wie sehr werden wir ringen müssen bei zehn Milliarden Menschen in 25 Jahren und der Bevölkerungsexplosion in bestimmten Regionen der Welt", sagte er.

Die UNO geht davon aus, dass in der Sahelzone im laufenden Jahr rund 32 Millionen Menschen zeitweise nicht genügend zu essen haben. "Die Länder der Sahelzone gehören zu jenen in der Welt, die am meisten von Krisen und Naturkatastrophen bedroht sind", betonte die UNO bereits in einem Bericht im März. Die Sahelzone ist ein rund 7000 Kilometer langer und bis zu 800 Kilometer breiter Streifen am südlichen Rand der Sahara, der sich von Mauretanien im Westen bis in den Sudan erstreckt.



Gründe für die Missstände gibt es viele, und sie sind von Land zu Land verschieden. Noch immer bekommt aber die gesamte Region die Auswirkungen des Sturzes des früheren libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi und des bis heute anhaltenden Chaos in Libyen zu spüren. Damit wurden jede Menge Waffen in die Region gespielt. Der libysche Zusammenbruch und das gleichzeitige Erstarken des militanten Islamismus waren eine toxische Mischung. Mali etwa hat sich bis heute noch nicht vom Aufstand der Islamisten, die fast den gesamten Norden des Landes erobert hatten, erholt. Oder in Nigeria wütet die wahllos mordende, islamistische Sekte Boko Haram.

Ständige Kämpfe sorgen dafür, dass sich ganze Regionen nicht entwickeln können. Armut und Perspektivlosigkeit treiben wiederum den Milizen neue Kämpfer zu. Und wo gekämpft wird, kann viel schwerer Landwirtschaft betrieben werden.

Hinzu kommen in vielen Ländern eine schlechte Regierungsführung und eine Ignoranz der Eliten gegenüber den eigenen Armen. So leben in Nigeria rund 70 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Gleichzeitig gibt es eine enorme reiche Schicht, die das Land zu einem der größten Champagnerimporteure gemacht hat.

Instabilität und Armut sorgen in der Sahelzone bereits für Flüchtlingsbewegungen. Diese spielen sich derzeit großteils innerhalb der Region ab.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-17 18:21:49
Letzte Änderung am 2018-10-17 18:49:04


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