• vom 08.11.2018, 17:57 Uhr

Weltpolitik

Update: 08.11.2018, 18:11 Uhr

Sessions

Fatal loyal




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ-Korrespondent Klaus Stimeder

  • Von US-Justizminister Sessions Nachfolger will Trump allem voran eins: Schutz für sich und seine Familie.

"Hat etwas zu verbergen": Der demokratische Senator Chuck Schumer schießt sich in der Russland-Affäre auf US-Präsident Trump ein.

"Hat etwas zu verbergen": Der demokratische Senator Chuck Schumer schießt sich in der Russland-Affäre auf US-Präsident Trump ein.© afp "Hat etwas zu verbergen": Der demokratische Senator Chuck Schumer schießt sich in der Russland-Affäre auf US-Präsident Trump ein.© afp

Washington D.C. Schuld sind am Ende immer die anderen. Am Tag, an dem feststand, dass für die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus weg ist, tat US-Präsident Donald Trump, was er immer tut, wenn etwas nicht nach Plan verläuft: Zuerst erklärt er den Sieg auf ganzer Linie - und dann zaubert er einen Sündenbock aus dem Hut.

Diesmal fiel ihm die Wahl leicht. Justizminister Jeff Sessions muss seinen Job aufgeben. Der erzkonservative Ex-Senator von Alabama, der den Posten seinen "absoluten Traumjob" genannt hatte, ist das erste Opfer der neuen Mehrheitsverhältnisse.


Nicht, dass sich sein vom Weißen Haus erzwungener Rücktritt nicht schon lange angekündigt hätte. Seit sich Sessions - einer der Ersten, die sich für den Partei-Outsider Trump als Präsidentschaftskandidaten der Konservativen ausgesprochen hatten - bereit erklärt hatte, sich aus der Arbeit von Sonderermittler Robert Mueller herauszuhalten, hatte ihn der Präsident regelmäßig zur Zielscheibe seines Zorns erkoren.

Granden lassen Sessions fallen
Ihn zu entlassen, schien Trump bisher trotzdem zu riskant. Sessions hatte sich während des Wahlkampfs mehrmals mit Sergej Kisljak getroffen, dem damaligen russischen Botschafter in Washington. In einer Anhörung vor dem Senat hatte er diese Tatsache geleugnet, obwohl er zu diesem Zeitpunkt unter Eid gestanden war. Trump ließ Sessions trotzdem walten, weniger wegen der schiefen Optik als aufgrund der Tatsache, dass der 71-Jährige lange Zeit den Rückhalt seiner ehemaligen Kollegen im Oberhaus genoss.

Zu Sessions prominentesten Unterstützern zählten unter anderen die innerparteilichen Schwergewichte Lindsey Graham (South Carolina) und Chuck Grassley (Iowa). Nachdem beide aber wussten, wie sehr Trump daran lag, seinen ungeliebten Justizminister loszuwerden - bis zuletzt hatte es der Präsident vermieden, mit ihm persönlich zu sprechen, selbst die Rücktrittsforderung wurde Sessions von Kabinettschef John Kelly serviert -, stimmten auch sie jetzt seiner Entlassung zu.

Zwei Fliegen mit einer Klappe
Aus Trumps Sicht schlägt er damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Einerseits eignet sich Sessions als perfektes Bauernopfer, weil Trump seine Anhänger seit mittlerweile fast zwei Jahren darauf konditioniert hat, dass es vor allem dessen Schuld sei, dass die Untersuchungen Muellers zu den Verbindungen seines Wahlkampfteams zu Russland immer noch im Gange sind. (Zum Zeitpunkt von Sessions’ Abberufung waren es 18 Monate.)

Andererseits sendet seine Entlassung ein deutliches Signal an die von dem ehemaligen FBI-Chef angeführten Sondermittler selbst, die Trump im Rahmen seiner Post-Midterm-Pressekonferenz, wie schon zuvor regelmäßig in seinen Tweets, "13 oder 15 oder 17 zornige Demokraten" nannte.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-08 18:07:11
Letzte Änderung am 2018-11-08 18:11:39


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Türkis-blaues Werben um Israels Gunst
  2. Webseite veröffentlicht angebliche Zitate vom Mord
  3. Auch Australien lehnt UNO-Migrationspakt ab
  4. Keine Geheiminfos wegen "pro-russischer Haltung" der FPÖ
  5. Ankommen und aufsteigen?
  6. Zustimmung vieler Länder zum UN-Migrationspakt ungewiss
  7. Sechs Kilo Plastik im Bauch

Werbung




Werbung