• vom 19.11.2018, 17:24 Uhr

Weltpolitik

Update: 19.11.2018, 22:13 Uhr

Houthis

Erstmals Hoffnung für den Jemen




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  • Die Regierung will Friedensgespräche, die Houthi-Rebellen sind zu Waffenstillstand bereit.

Polizist im von Houthi-Rebellen gehaltenen Sanaa. - © reuters

Polizist im von Houthi-Rebellen gehaltenen Sanaa. © reuters

Sanaa/Wien. (ag./red) 28 Millionen Jemeniten dürfen erstmals nach vier Jahren Bürgerkrieg hoffen: Die Regierung hat am Montag ihre Teilnahme an Friedensgesprächen mit den Houthi-Rebellen zugesagt. Es werde eine Delegation zu den Gesprächen nach Stockholm entsandt. Dort soll eine politische Lösung für ein Ende des blutigen Konflikts gefunden werden.

Zuvor hatten die von Teheran gestützten Houthi-Rebellen angekündigt, ihre Angriffe auf die jemenitische Regierung, auf saudisches Territorium sowie auf Soldaten der Vereinigten Arabischen Emirate stoppen zu wollen.


"Akt des guten Willens"
Die Rebellen zeigten sich bereit, künftig einen umfassenderen Waffenstillstand zu schließen, sollte die von Saudi-Arabien angeführte feindliche Militärallianz ebenfalls Frieden wollen.

Diese hatte zuletzt ihre Offensive auf die strategisch entscheidende Hafenstadt Hodeidah unterbrochen, die von Houthis kontrolliert wird und Brennpunkt der Kämpfe ist. Über den Küstenort am Roten Meer läuft ein Großteil des Nachschubs für die Gebiete unter Houthi-Kontrolle im Norden des Landes. Eine Eroberung durch Regierungstruppen würde für die jemenitischen Rebellen eine möglicherweise entscheidende Niederlage bedeuten.

Die Kämpfe fanden zuletzt auch in Wohnvierteln statt, es gab laut Augenzeugen zahlreiche zivile Opfer durch Granatsplitter. Zudem droht sich die dramatische Hungersnot zu verschärfen, sollten die Lebensmittellieferungen über Hodeidah ausfallen.

Das Aussetzen der Raketen-und Drohnenangriffe sei ein "Akt des guten Willens" und nehme den Feinden jeden Vorwand, Friedensgespräche abzulehnen und ihre "Belagerung" des Jemens fortzusetzen, so Mohammed al-Houthi, Anführer des Revolutionskomitees der Rebellen, in der Nacht auf Montag via Twitter.

In dem Krieg kämpfen Truppen auf der Seite des ins Exil geflohenen, aber international anerkannten Präsidenten Abed Rabbo Mansour Hadi gegen schiitische Houthi-Rebellen, die weite Teile des Nordens inklusive der Hauptstadt Sanaa kontrollieren und Waffen aus dem Iran beziehen.

Seit dem Jahr 2015 bombardiert ein von Saudi-Arabien geführtes Bündnis Stellungen der Houthis aus der Luft, wobei bis dato tausende Zivilisten getötet wurden. Die Aufständischen hatten vor allem das benachbarte Saudi-Arabien immer wieder mit Raketen angegriffen.

Die UN bezeichnen den Krieg im Jemen als schwerste humanitäre Krise der Gegenwart. Mehr als 10.000 Menschen kamen ums Leben, über zwei Millionen wurden vertrieben. Die sanitären Verhältnisse sind katastrophal, die Cholera grassiert in Wellen. Millionen Menschen, darunter Kinder, sind vom Hungertod bedroht.

Die Ankündigung der Houthis kommt nur wenige Tage, nachdem Vermittler Martin Griffiths vor dem UN-Sicherheitsrat neue Friedensgespräche zwischen den Konfliktparteien angekündigt hatte. Diese sollten "in Kürze" stattfinden, so Griffiths, ohne ein exaktes Datum zu nennen. Außerdem hätten sich Regierung und Rebellen auf den Austausch von Gefangenen geeinigt. Am Montag ist der britische Außenminister Jeremy Hunt nach Teheran geflogen, um dort unter anderem über den Jemen-Konflikt zu sprechen.

Erst im September waren Gespräche zwischen den Kontrahenten mangels Teilnahme der Rebellen gescheitert.

Druck auf Riad steigt
Die saudi-arabische Allianz im Jemen wurde von westlichen Staaten mit Waffenlieferungen und Geheimdienstinformationen unterstützt. Doch zuletzt forderten Verbündete wie die Vereinigten Staaten von Amerika ein Ende der Kämpfe. Nach der Ermordung des regierungskritischen saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi Anfang Oktober in Istanbul wächst der internationale Druck auf das Königreich.

Jetzt bröckelt auch der Rückhalt der Rebellen. Vor wenigen Tagen lief Informationsminister Abdel-Salam Jaber zum Feind über und gab eine Pressekonferenz in Riad. Dort ließ er kein gutes Haar an den Aufständischen: "Die Houthi-Milizen schicken Kinder in den Krieg", so Jaber. "Ihre letzten Tage" seien angebrochen.




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Dokument erstellt am 2018-11-19 17:37:25
Letzte Änderung am 2018-11-19 22:13:14


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