• vom 07.01.2019, 17:31 Uhr

Weltpolitik

Update: 07.01.2019, 18:07 Uhr

Syrien

USA warnen Türkei vor Angriffen auf Kurden




  • Artikel
  • Kommentare (6)
  • Lesenswert (75)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Washington will vor Truppenabzug Garantien von Präsident Erdogan.

Von der Türkei gestützte syrische Kämpfer bereiten sich auf ihre Verlegung ins kurdische Manbij vor.

Von der Türkei gestützte syrische Kämpfer bereiten sich auf ihre Verlegung ins kurdische Manbij vor.© afp/Al-Khatib Von der Türkei gestützte syrische Kämpfer bereiten sich auf ihre Verlegung ins kurdische Manbij vor.© afp/Al-Khatib

Washington/Ankara. (red) US-Präsident Donald Trump hat zuletzt den Abzug der rund 2000 US-Soldaten aus Syrien angekündigt. Jetzt werden in Washington allerdings die Probleme sichtbar, die ein solcher Schritt mit sich brächte. Mittlerweile ist wieder völlig unklar, ob die GIs nicht doch noch eine ganze Weile in Syrien bleiben und ob vielleicht nur ein Teil abgezogen wird.

Die USA verlangen laut US-Sicherheitsberater John Bolton vor einem Abzug Garantien von der Türkei, die die Sicherheit der Kurden gewährleisten sollen. Ein Abzug aus dem Nordosten Syriens solle laut Bolton erst dann erfolgen, wenn "die Terrormiliz Islamischer Staat geschlagen ist und sich nicht wieder erholen und erneut eine Bedrohung werden kann". Am Dienstag führt Bolton in der Türkei Gespräche über den Anti-Terror-Kampf in Syrien und den Umgang mit den syrischen Kurden. Trump meinte am Sonntag, dass der US-Abzug nicht abgeschlossen werde, bevor der IS völlig verschwunden sei. Außerdem, so Trump, müssten sich der Iran und Russland mehr in der Bekämpfung des Terrors engagieren. Beide Länder wären in ihrem "Hass" gegen den IS vereint.


Garantie, dass Kurden nicht "abgeschlachtet" werden
In den USA gibt es Sorgen darüber, was mit den kurdischen Alliierten im Kampf gegen die IS-Terrormiliz geschehen wird, sollte die Türkei sich stärker in Syrien einbringen. Hier geht es vor allem um die Truppen der kurdischen Miliz YPG, die die Türkei als Zweig der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit als Terrororganisation ansieht. Sie galten lange Zeit als einer der verlässlichsten Verbündeten im Kampf gegen den IS. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte hingegen eine Offensive gegen die YPG angekündigt.

"Wir denken nicht, dass die Türken Militäroperationen unternehmen sollten, die nicht voll mit den USA abgestimmt sind und denen die USA nicht zugestimmt haben", so Bolton. US-Präsident Donald Trump verlange ein entsprechendes Bekenntnis von seinem türkischen Kollegen Erdogan.

US-Außenminister Mike Pompeo hatte Ende der vergangenen Woche gesagt, man wolle sicherstellen, "dass die Türken die Kurden nicht abschlachten". Pompeo will am heutigen Dienstag eine Reise durch acht arabische Länder im Nahen Osten antreten.

Der Sprecher des türkischen Präsidenten, Ibrahim Kalin meinte, eine Terrorgruppe wie die YPG könne kein Alliierter der USA sein. Mit dem Kampf gegen die PKK und deren syrische Zweige verfolge die Türkei das Ziel, andere Kurden "aus der Tyrannei und Unterdrückung dieser Terrorgruppe zu befreien".

Klar ist, dass der Abzug der 2000 US-Soldaten nun deutlich langsamer vorangehen wird, als Trump dies vor Weihnachten in Aussicht gestellt hat. "Zeitpläne entstehen aus der Erfüllung von Bedingungen und aus der Schaffung von Umständen, die wir sehen wollen", sagte Bolton. Die Türkei müsste nach Ansicht von US-Beamten erheblich von den USA unterstützt werden, um die Hauptverantwortung im Kampf gegen den IS in Syrien übernehmen zu können. Das "Wall Street Journal" berichtete am Wochenende unter Berufung auf namentlich nicht genannte hohe Regierungsquellen, die Türkei habe um Hilfe unter anderem für Luftangriffe, Transporte und Logistik gebeten. "Die türkischen Anfragen sind so umfangreich, dass, wenn voll erfüllt, das US-Militär seine Einbindung in Syrien vertiefen würde, statt sie zu reduzieren", heißt es in dem Bericht.

Am Sonntag twitterte Bolton eine Warnung an die syrischen Regierung, die Gespräche über den US-Abzug nicht als Einladung für den erneuten Einsatz von Chemiewaffen zu verstehen: "Auf jeden Gebrauch wird es eine schnelle, starke Antwort geben."

Im Rahmen der Reisediplomatie vor dem Abzug der US-Truppen aus Syrien steht offenbar auch ein weiteres Treffen zwischen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bevor. Das Treffen soll noch im Jänner stattfinden.

Die Türkei unterstützt in Syrien oppositionelle Rebellen, Russland und der Iran die Regierung von Machthaber Bashar al-Assad.




Schlagwörter

Syrien, Türkei, Kurden

6 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-07 17:44:18
Letzte Änderung am 2019-01-07 18:07:43


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Eine kleine Insel der Demokratie im südchinesischen Meer
  2. Trump will sich Ende Februar mit Kim Jong-un treffen
  3. Wie man essen soll
  4. Palästina mit Hauptstadt in Ost-Jerusalem?
  5. Beziehungsstatus: Es ist kompliziert
  6. Die Sichtbare von Bischkek
  7. Zerrüttete Beziehungen

Werbung




Werbung