• vom 10.01.2019, 17:41 Uhr

Weltpolitik


Idlib

Al-Kaida-nahe Miliz kontrolliert Syriens letzte Rebellenregion




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  • Entmilitarisierte Pufferzone jetzt in Frage gestellt.

Kämpfer der Nationalen Befreiungsfront.

Kämpfer der Nationalen Befreiungsfront.© afp Kämpfer der Nationalen Befreiungsfront.© afp

Idlib. Nach mehrtägigen Kämpfen hat eine Al-Kaida-nahe Miliz Syriens letztes großes Rebellengebiet vollständig unter Kontrolle gebracht. Die Region um die Stadt Idlib im Nordwesten des Bürgerkriegslandes wird jetzt einer sogenannten Rettungsregierung unterstellt, die eng mit der radikal-islamischen Miliz Hayat Tahrir al-Sham (HTS) verbunden ist.

Das geht aus einem Abkommen hervor, das HTS und das rivalisierende Rebellenbündnis Nationale Befreiungsfront (NLF) am Donnerstag unterzeichnet haben. Die früher unter dem Namen Al-Nusra-Front bekannte HTS-Miliz hat sich offiziell von dem Terrornetzwerk Al-Kaida losgesagt, steht ihm aber immer noch nahe. Unter anderem die USA und die Türkei haben die bewaffnete Gruppe auf die Terrorliste gesetzt. Ein Aktivist berichtete aus Idlib, die nun in der Region herrschende "Rettungsregierung" sei lediglich eine Fassade für die HTS-Miliz.


Die Nationale Befreiungsfront wiederum ist mit der Türkei verbündet. In der vergangenen Woche waren blutige Kämpfe zwischen der NLF und der HTS-Miliz ausgebrochen. "Dieses Abkommen ist ein großer Rückschlag für die von der Türkei unterstützten Rebellen", sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Ein NLF-Sprecher erklärte, Kämpfer des Rebellenbündnisses würden sich aus Idlib nach Norden zurückziehen.

Die Ausdehnung des HTS-Einflusses stellt auch die entmilitarisierte Pufferzone infrage, auf die sich die Türkei als Unterstützer der Rebellen sowie Russland als Verbündeter der syrischen Regierung im vergangenen Jahr geeinigt hatten. Diese trennt Anhänger und Gegner der Regierung und soll eine Offensive verhindern, mit der die Führung in Damaskus gedroht hatte. Helfer befürchten bei einem Angriff eine neue humanitäre Katastrophe, da in der Region Idlib nach Schätzungen rund drei Millionen Menschen leben, fast die Hälfte davon Vertriebene.

Führende HTS-Vertreter sprachen sich damals gegen die Pufferzone aus. Die Türkei drohte danach, die Region werde "von Radikalen gesäubert" werden. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu erklärte am Donnerstag, radikale Gruppen griffen in Idlib die moderate Opposition und Zivilisten an, um Stärke zu gewinnen.

In Idlib gilt eine brüchige Waffenruhe, seitdem die Türkei und Russland im September eine Vereinbarung zur Einrichtung einer Pufferzone getroffen haben. Zwar wurde die Vereinbarung zum Abzug der Dschihadisten aus der Pufferzone und zur Öffnung mehrerer Verbindungsstraßen durch Idlib nur teilweise umgesetzt, doch konnte damit bisher eine Offensive der syrischen Armee verhindert werden.




Schlagwörter

Idlib, Islamisten

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Dokument erstellt am 2019-01-10 17:53:28


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